Schneller vom Labor zum Krankenbett- Fortschritte in der Krebsmedizin sollten den Patienten rascher zugutekommen

Krebsforschung: Mitarbeiterin im Labor (Foto © Roche)

Die Krebsmedizin hat in jüngster Zeit erhebliche Fortschritte gemacht. Der rasante Wissenszuwachs im Verständnis der Tumorentstehung hat dabei die Möglichkeiten zur Krebsdiagnose und auch zur Krebstherapie enorm erweitert. Das aber bedeutet keineswegs, dass alle Krebspatienten in Deutschland eine optimale Versorgung erhalten.

Denn der Weg vom Labor zum Krankenbett ist noch immer weit, heißt es in einem Positionspapier, das gemeinsam von Bundestagsabgeordneten mit Vertretern von Krankenkassen, ambulant und stationär tätigen Ärzten sowie Wissenschaftlern und Patientenorganisationen entwickelt wurde. Das Positionspapier dokumentiert die derzeitige Situation und zeigt darüber hinaus konkrete Ansätze auf, um die Versorgung der rund 500.000 Menschen, die jährlich hierzulande an Krebs erkranken, weiter zu verbessern.

Engere Verzahnung zwischen Krebsmedizin und Krebsforschung

Krebsforscherin untersucht eine Probe ( Foto © Roche)

Voraussetzung hierfür ist nach Ansicht der Experten eine noch deutlich bessere Verzahnung zwischen der Krebsmedizin und der Krebsforschung und eine abgestimmte Zusammenarbeit all jener, die Menschen mit Krebs behandeln. Dazu sollen auch virtuelle Netzwerke genutzt werden.

Die Arbeitsgruppe sieht die Krebsforschung an einem Wendepunkt und fordert gemeinsame Anstrengungen der Wissenschaftler sowie der Versorger von Krebspatienten und der Kostenträger im Gesundheitswesen. Denn Krebs ist nicht wie früher angenommen eine einheitliche Erkrankung. Es handelt sich vielmehr um hunderte verschiedene Krankheiten und Störungen, jede mit einzigartigen Merkmalen, Treibermutationen, aber auch mit speziellen Ansatzpunkten für eine gezielte Behandlung. So kennt man alleine beim Lungenkrebs, bei dem bis vor kurzem im Wesentlichen zwei Formen unterschieden wurden, inzwischen mindestens ein Dutzend genetisch unterschiedlicher Erkrankungen. Das verdeutlicht den erheblichen Fortschritt im Krankheitsverständnis. Es macht auch deutlich, dass es nun darum geht, das neue Wissen in gezielte Behandlungskonzepte umzusetzen.

Denn das konkrete Verständnis, wie Krebs entsteht und sich ausbreitet, eröffnet neue Möglichkeiten zur Therapie. Das zeigt insbesondere die Krebsimmuntherapie, eine noch relativ neue Behandlungsstrategie, bei der das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Tumor aktiviert wird. Die sogenannten Immuntherapeutika erwirken bereits deutliche Erfolge bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs sowie von Leukämien oder Lymphomen. Sie können wahrscheinlich, so sehen es die Experten, auch bei anderen Krebserkrankungen für weitere Behandlungsfortschritte sorgen.

Wichtig ist vor dem Hintergrund der erweiterten Therapiemöglichkeiten, dass sich Arzt und Patient quasi auf Augenhöhe begegnen, so eine der weiteren Forderungen im Positionspapier. Dies erfordert jedoch eine bessere Unterstützung der Patienten bei der Orientierung im Gesundheitswesen. Dazu können Patientenlotsen beitragen wie auch spezielle Schulungs- und Informationsangebote, eine sogenannte Prähabilitation.

Den Zugang zu Innovationen gewährleisten

„Die Behandlung von Krebs ist noch immer eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Gute Beratungsangebote und der rasche und sichere Zugang zu medizinischen Innovationen für alle betroffenen Patientinnen und Patienten sind essentiell für den Behandlungserfolg“, betonte Sabine Dittmar, MdB (SPD-Bundestagsfraktion) und Sprecherin der Arbeitsgruppe bei der Vorstellung des Positionspapiers in Berlin.

Noch deutliche Lücken sieht die Arbeitsgruppe der Erklärung zufolge beim Einsatz onkologischer Innovationen. Um diese schneller zu schließen, schlagen die Experten vor, den Zugang der Patienten zu den Neuerungen in der Krebsmedizin über sogenannte translationale Tumorboards zu gewähren. Die Tumorboards sollen bei der Anwendung der Innovationen eng mit den betreuenden Ärzten und Ärztinnen kooperieren und sich gemeinsam zur Dokumentation der Behandlungsdaten über Krebsregister verpflichten. Diese geben die Daten in anonymisierter Form weiter, damit sie für Forschungszwecke und schließlich für die Patientenversorgung genutzt werden können und somit zu weiteren Fortschritten in der Krebsmedizin beitragen.

Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen