Nicht jeder Brustkrebspatientin hilft eine Chemotherapie

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Jedes Jahr erkranken in Deutschland 70.000 Frauen an Brustkrebs. Eine hohe Zahl, doch die Möglichkeiten einer erfolgreichen Behandlung werden immer ausgefeilter. Das liegt auch an der immer besseren Diagnostik, die es ermöglicht, Patientinnen ihren Bedürfnissen entsprechend zu behandeln. Denn Tumor ist nicht gleich Tumor.

Prof. Dr. Aktas, Klinikdirektorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig erklärt, wie Brustkrebspatientinnen von einer Individualisierung der Behandlungsoptionen profitieren können.

Sehr geehrte Frau Prof. Aktas, die Diagnose Brustkrebs ist für die Frauen immer ein Schock. Sie müssen trotzdem viele wichtige Entscheidungen treffen. Worauf können sie dabei achten?

Betroffene Frauen sollten sich einen auf Brustkrebs spezialisierten Arzt suchen, bei dem sie sich wohlfühlen und dem sie vertrauen. Sie haben auch das Recht auf eine zweite Meinung, die sie sich einholen können. Und ganz wichtig: Brustkrebs muss kein Todesurteil sein! Durch das Mammographie-Screening und die besseren Behandlungsmöglichkeiten, kann eine Senkung der brustkrebsbezogenen Sterblichkeit belegt werden[1]. Um die Krankheit ideal zu behandeln, helfen uns Informationen über die Eigenschaften des individuellen Tumors. So können wir die beste Therapie abgestimmt auf die betroffene Patientin festlegen und ihr unnötige Belastungen ersparen – z.B. durch eine nicht erforderliche Chemotherapie. Das betrifft vor allem Patientinnen mit einem hormonrezeptor-positiven und HER2neu negativen Mammakarzinom, wenn sie zusammen mit ihrem Arzt entscheiden, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist oder nicht.
Wir wissen, dass die klassische Chemotherapie bei ungefähr 85 Prozent aller Patientinnen mit einem Hormonrezeptor-positiven und HER2neu negativen Mammakarzinom keinen zusätzlichen Nutzen bringt[2]. Es ist sehr wichtig eine individuelle Therapie zu empfehlen und dies ist nur möglich indem der individuelle Tumor untersucht wird.

Wie können Patientinnen Klarheit darüber erhalten, ob eine Chemotherapie in ihrem Fall einen Nutzen bringt?

Früher haben wir Ärzte dabei weitestgehend auf sogenannte prognostische Faktoren, wie z.B. Größe oder Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors verlassen. Diese Parameter geben vor allem Auskunft über den möglichen weiteren Verlauf der Erkrankung, nicht aber darüber, ob die Patientin wirklich von einer Chemotherapie profitiert. Deshalb wurden Brustkrebspatientinnen häufig wohlmeinend mit einer Chemotherapie übertherapiert, weil wir Ärzte sichergehen wollten, alles gegen die Krankheit unternommen zu haben.
Seit 2020 wird in Deutschland der Oncotype DX Breast Recurrence Sore® Test für Patientinnen ohne Befall der Lymphknoten von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Mit dem Test können wir bei Frauen mit HR-positivem und HER2-negativem Brustkrebs feststellen[3], ob sie von einer Chemotherapie profitieren oder nicht. Er analysiert die risikorelevanten Gene des Tumors und kann so das individuelle Rückfallrisiko und den möglichen Nutzen einer Chemotherapie einer Patientin bestimmen. So lässt sich der Nutzen einer Chemotherapie präziser vorhersagen.

Der Oncotype Breast Recurrence Sore® Test kann Frauen also mehr Sicherheit für die Therapieentscheidung geben. Warum ist es so wichtig, dass die Frauen den Test kennen?

Von allen Therapiemöglichkeiten, wie Operation, Strahlentherapie, Antihormon-  und Immuntherapie ist die Chemotherapie wegen der Nebenwirkungen am meisten gefürchtet. Viele Patientinnen trifft die Ungewissheit direkt nach Diagnosestellung – wenn das Ausmaß der Erkrankung noch unklar ist – am härtesten. Deswegen sollten Frauen die Möglichkeiten kennen, über die wir bei der Therapieplanung verfügen, damit sie diese bei Bedarf auch ansprechen können.

Oncotype DX und Recurrence Score sind eingetragene Warenzeichen von Genomic Health, Inc. Exact Sciences ist ein eingetragenes Warenzeichen der Exact Sciences Corporation. © 2021 Genomic Health, Inc. Alle Rechte vorbehalten

 

Quellen:

[1] Kassenärztliche Bundesvereinigung: KBV: https://www.kbv.de/html/themen_2845.php.

[2] Sparano et al.; NEJM 2018.

[3] G-BA Pressemitteilung, Nr. 17/2019, 20. Juni 2019 https://www.g-ba.de/downloads/34-215-800/17_2019-06-20_MVV-RL_Biomarker%20Brustkrebs.pdf.

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