Die Pestwurz – mit Pflanzenkraft gegen Migräne

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Die gewöhnliche Pestwurz ist ein echter Blickfang. Häufig an den Ufern fließender Gewässer zu finden, fällt sie im Frühling durch ihre rosa, roten oder violetten Blütenstände mit weißen Blüten auf. Erst später erscheinen die riesigen Blätter, die sich manches Kind schon im Spiel als Kopfbedeckung aufgesetzt hat.

Heilpflanze mit Tradition

Seit Jahrhunderten wird die Pestwurz als Heilpflanze genutzt, nur die Anwendungsgebiete haben sich im Laufe der Zeit geändert. Bereits von den Griechen und Römern gegen Geschwüre eingesetzt, kam es im Mittelalter zur namensgebenden Verwendung gegen die Pest. Die schweißtreibende Wirkung der Heilpflanze sollte es den Erkrankten ermöglichen, die Pest auszuschwitzen. Im 19. Jahrhundert wurde man auf die krampflösenden und schmerzstillenden Eigenschaften der Pestwurz aufmerksam, was ihrer Karriere in der Phytotherapie zu neuem Schwung verhalf.

Gefahr für die Leber?

Wie viele potente Naturarzneimittel ist auch die Pestwurz mit Bedacht und fachkundig einzusetzen. Vor allem die großen Blätter der Pflanze enthalten Pyrrolizidin-Alkaloide, die potentiell krebserregend und lebertoxisch sind. Die eigenständige Anwendung als Tee oder anderes Naturarzneimittel verbietet sich daher. Für die Therapie werden heutzutage üblicherweise Extrakte des Rhizoms (unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsender Spross) verwendet, die in speziellen, Giftstoffe abreichernden Verfahren hergestellt werden. Die Pyrrolizidin-Alkaloide sind in dem so gewonnenen Extrakt nicht mehr nachweisbar und stellen demnach kein Risiko mehr dar.

Pestwurz in der Migräneprophylaxe

Wegen wiederholt geäußerter Bedenken in Bezug auf das Risiko von Pestwurz-Extrakt wurde seine Wirksamkeit und Verträglichkeit in klinischen Studien genau untersucht. Speziell die Anwendung in der Migräneprophylaxe wurde in zwei Studien aus dem Jahr 2004 beleuchtet, die durch Randomisierung und Placebo-Kontrolle höchsten wissenschaftlichen Standards genügen. Über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten erhielten Erwachsene den giftstofffreien Extrakt des Rhizoms. Die Zahl der Migräneattacken konnte um etwa die Hälfte gesenkt werden. In der einen Studie profitierten 45%, in der anderen sogar 68% der PatientInnen von der Therapie. Diese Ergebnisse waren denen der Placebo-Gruppe deutlich und signifikant überlegen. Eine Studie von 2005 mit Kindern zwischen 6 und 17 Jahren, die an schweren Migräneanfallen leiden, war ähnlich erfolgreich. Die Wirksamkeit des Pestwurz-Extrakt ist vergleichbar mit der von synthetischen Arzneimitteln wie beispielsweise Aspirin. Das ist besonders interessant, da er somit eine Möglichkeit bietet, die bekannten Nebenwirkungen dieser Medikamente zu umgehen.

Die positiven Studienergebnisse führten zu einer Aufnahme in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft als Behandlungsoption in der Migräneprophylaxe.

Die Pestwurz überzeugt durch Vielseitigkeit

Neben der Migräneprophylaxe wird die Pestwurz wegen ihrer krampflösenden und schmerzlindernden Wirkung gegen Krämpfe des Magen-Darm-Traktes und im Bereich der ableitenden Harnwege eingesetzt. Weiter findet sie Verwendung als beruhigendes und entspannendes Mittel, dann in Kombination mit Melisse, Passionsblume und Baldrian. Ein durch CO²-Extraktion aus den Blättern gewonnenes Arzneimittel steht als Antiallergikum mit nachgewiesener Wirkung zur Verfügung.

Auch wenn diese traditionsreiche Heilpflanze glücklicherweise nicht mehr als Pestmittel benötigt wird, ist sie ein wichtiger und durch Studien nachweislich wirksamer Bestandteil unseres Repertoires an Arzneipflanzen. In der Migräneprophylaxe stellt sie eine unverzichtbare Alternative zu synthetischen Arzneimitteln dar. Das lässt Sie vielleicht den Anblick ihrer violetten Blütenstände und imposant großen Blätter umso mehr schätzen, wenn Sie sie das nächste Mal am Bachufer treffen.

Die Pestwurz – mit Pflanzenkraft gegen Migräne
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Beitragsbild © ptra / Pixabay
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