Leichter Bandscheibenvorfall – Ursachen und Symptome

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Deutschlandweit erleiden jährlich fast 200.000 Menschen einen Bandscheibenvorfall an irgendeiner Stelle im Bereich der Wirbelsäule. Ein Bandscheibenvorfall tritt hauptsächlich als Erkrankung des mittleren Lebensalters bei Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Meistens ist die Lendenwirbelsäule aufgrund der höchsten Druckbelastung betroffen. Von einem Bandscheibenvorfall kann ebenfalls die Halswirbelsäule betroffen sein. In seltenen Fällen kann es auch zu einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule kommen.

Die Bandscheiben befinden sich zwischen den einzelnen Wirbeln. Sie tragen zur Bewegungsfähigkeit des Rückens bei und puffern auftretende Stoßbelastungen wie ein hydraulischer Stoßdämpfer ab. Dazu bestehen die Bandscheiben aus einem weichen Gallertkern, der von einem Knorpelring umfasst ist. Der Gallertkern saugt sich aus dem umliegenden Gewebe voll Wasser. Von einem Bandscheibenvorfall wird gesprochen, wenn der Gallertkern aus seiner Position verrutscht. Dabei durchbricht er seine Hülle und drückt dabei auf das angrenzende Gewebe. Bei diesem Kontakt können Nervenwurzeln gedrückt und Schmerzen verursacht werden. Eine gelartige Flüssigkeit kann austreten. Kommt es lediglich zu einer Vorwölbung der Bandscheibe, verlagert sich die Bandscheibe ohne der Faserring einreißt. Bei einem Hexenschuss können ähnliche Symptome wie bei einem Bandscheibenvorfall auftreten. Dabei handelt es sich jedoch um eine schmerzhafte Verspannung oder Verhärtung der Muskulatur nach einer ungünstigen Bewegung oder Haltung.

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls

Ursache eines Bandscheibenvorfalles ist in vielen Fällen eine ruckartige Drehbewegung oder schweres Heben kombiniert mit einer Drehung der Wirbelsäule. Durch eine mangelnde Versorgung der Bandscheiben kann ein Bandscheibenvorfall begünstigt werden. Außerdem können Muskelanspannungen zur Entstehung eines Bandscheibenvorfalls beitragen. Dazu zählen auch Anspannungen aufgrund des seelischen Zustandes, langes Sitzen oder unkomfortable Schuhe. Ebenso kann der natürliche Alterungsprozess des Bindegewebes die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls erhöhen. Zu den Risikofaktoren zählen ebenfalls mangelnde Bewegung, Übergewicht sowie eine schwach ausgeprägte Rücken- und Bauchmuskulatur.

Auftretende Symptome

Die Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall können schwach oder stärker ausgeprägt sein. Die Beschwerden können je nach dem betroffenen Bereich der Wirbelsäule unterschiedlich auftreten. Ein Bandscheibenvorfall ist meistens mit Rückenschmerzen verbunden, die in der Regel zunehmen. Im Bereich der betroffenen Bandscheibe kann die Muskulatur verhärtet sein. Bei einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich kann außerdem ein Kribbeln in den Beinen auftreten. Schmerzen können von der betroffenen Bandscheibe bis in Bein und Gesäß ausstrahlen. Ein Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall kann ebenso eine Lähmungserscheinung sein. Tritt ein Bandscheiben-Vorfall im Halswirbelbereich auf, kann es zu einem Kälte- oder Taubheitsgefühl in Armen und Beinen kommen. Neben schmerzhaften Nackenbeschwerden können Schmerzen im Hinterkopf sowie in Armen oder Händen spürbar sein. In schweren Fällen kann ein Bandscheibenvorfall zur vorübergehenden Stuhl- oder Harninkontinenz sowie Störung der Sexualfunktion führen. Nicht in jedem Fall treten durch einen Bandscheibenvorfall deutliche Symptome auf.

Diagnoseverfahren

Neben einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt mit Schilderung der Symptome werden zunächst körperliche Untersuchungen durchgeführt. Dadurch kann der betroffene Problembereich bereits näher lokalisiert werden. Genaue Auskünfte zur Feststellung eines Bandscheibenvorfalls ergeben sich durch neurologische und bildgebende Untersuchungsverfahren. Dazu zählen:

  • Röntgenbilder
  • Magnet-Resonanz-Therapie MRT
  • Computertomografie CT
  • Behandlungsmöglichkeiten

Therapeutische Maßnahmen richten sich nach dem Befund im Einzelfall. Insbesondere bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbel kommen verschiedene Behandlungsstrategien in Betracht. Vorrangig sollten konventionelle Therapien genutzt werden. Dazu zählen:

  • Schmerzmittel
  • Entzündungshemmende Mittel
  • Medikamente zur Lösung von Muskelverspannungen
  • Wärme- und Kälteanwendungen (Fango, Bäder etc.)
  • Entspannungstechniken
  • Physiotherapeutische Behandlung wie Kranken- und Rückengymnastik, Reizstrom oder Massage
  • Hilfsmittel zur Schmerzlinderung wie Bandscheibenwürfel oder orthopädisches Sitzkissen
  • Eine Operation sollte nur im Ausnahmefall durchgeführt werden

Eine garantierte Beschwerdefreiheit nach einer Operation oder nach konventionellen Behandlungsmethoden gibt es nicht. Daher sollte auf eine Operation nach Möglichkeit aufgrund der allgemeinen Risiken verzichtet werden. Eine operative Maßnahme kommt regelmäßig nur als letztes Mittel infrage, wenn:

  • Dauerhaft starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen trotz Anwendung aller konservativen Therapien wie Physio– und Schmerztherapie sowie Akupunktur auftreten
  • Erhebliche neurologische Ausfälle wie Lähmungen von Blase oder Enddarm nicht anders zu behandeln sind
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Weitere Informationen

Quellen:

https://sportmediziner-koeln.de/haeufige-beschwerden/bandscheibenvorfall

https://www.weltbild.de/artikel/buch/der-lumbale-bandscheibenvorfall_14445068-1

https://www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/20fortbildung/20praxis/90allgemeinmedizin/1701.pdf

https://www.br.de/gesundheitstag/rueckenschmerzen/bandscheibenvorfall-operation-op-bandscheiben-behandlung-therapie-100.html

Beitragsbild © typographyimages / Pixabay
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