Rückenschmerzen – Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

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Inhaltsverzeichnis:

  1. Ursachen
  2. Symptome
  3. Was tun bei Rückenschmerzen?
  4. Behandlungsmöglichkeiten
  5. Medikamente
  6. Hausmittel
  7. ‚Hackend‘ den Rücken stärken
  8. Vorbeugung

Mögliche Ursachen von Rückenschmerzen

Fakt ist, dass Rückenschmerzen verschiedene Ursachen zugrunde liegen können. Besonders häufig sind es Verspannungen der Muskulatur, die zu Rückenschmerzen führen. Hervorgerufen werden die Verspannungen durch Fehlhaltungen, einseitige Belastungen, mangelnde Bewegung sowie Stress. All diese Faktoren resultieren in verhärteten Muskeln, welche die Schmerzrezeptoren empfindlicher macht und bei Anspannung schließlich zum Schmerz führt.

Mangel an Achtsamkeit

Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation an der Sporthochschule Köln zufolge, sind die meisten Fälle von Rückenschmerzen auf das Verhalten der Betroffenen zurückzuführen. Büroangestellte beispielsweise arbeiten vielfach in unbequemen Körperhaltungen. Statt sich einen rückenschonenden Arbeitsplatz einzurichten, sitzen viele von ihnen stundenlang an ergonomisch falsch eingestelltem Büroinventar und bevorzugen das Telefonat, statt ein paar Schritte ins Nachbarzimmer zu gehen. Auch Arbeiter, die beim Anheben oder Tragen schwerer Lasten eine ungünstige Körperhaltung einnehmen, schädigen ihren Rücken. Betroffen sind ebenfalls Fließbandarbeiter, Musiker oder Chirurgen, die über einen langen Zeitraum in der gleichen Position verharren. Verhaltensbedingte Rückenschmerzen sind darüber hinaus nicht selten eine Folge von Übergewicht, Termin- und Leistungsdruck oder einer schlechten Work-Life-Balance. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 85 bis 90 Prozent der Beschwerden deshalb entstehen, weil mit dem eigenen Rücken zu achtlos umgegangen wird.

Spezifische Rückenschmerzen

Neben einer für den Rücken schädlichen Lebensweise und psychosomatischen Ursachen können auch Grunderkrankungen oder krankhafte Veränderungen zu Rückenschmerzen führen. Zu ihnen zählen Erkrankungen wie beispielsweise der Bandscheibenvorfall, Hexenschuss, Ischiasbeschwerden, Arthrose, Borreliose oder Meningitis.

Symptome von Rückenschmerzen

Wie auch die Ursachen für Rückenschmerzen äußerst verschieden sind, können die Symptome sehr vielfältig sein. Liegt eine Muskelverspannung vor, klagen Betroffene in der Regel über Schmerzen im oberen oder unteren Rücken sowie über Schmerzen im Nacken. Begleitet werden können die Beschwerden durch Druckschmerzen, eine verhärtete Muskulatur oder eine eingeschränkte Beweglichkeit. Ein Bandscheibenvorfall macht sich hingegen meist in Form von starken Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar, welche sich bei Bewegung verstärken. Ein Kribbeln im Bein, Lähmungserscheinungen sowie Nackenschmerzen treten mitunter ebenfalls auf. Rückenschmerzen, die plötzlich einsetzen und eine Beweglichkeit schier unmöglich erscheinen lassen, liegen wahrscheinlich in einem Hexenschuss begründet. Bei einer Arthrose der Wirbelsäule kommt es vor allem bei einer Belastung zu Rückenschmerzen, die in das Gesäß, die Leiste oder den Unterbauch ausstrahlen. Sobald der Betroffene sich hinlegt, tritt meist eine Besserung der Beschwerden ein.

Was tun bei Rückenschmerzen?

Setzen Rückenschmerzen ein, versuchen sich die Betroffenen in der Regel selbst zu behandeln. Bewegung und eine Behandlung mit Wärme zählen zu den häufigsten Maßnahmen. Professor Froböse zufolge lassen es etwa 30 Prozent der Betroffenen auf sich ankommen und hoffen, dass die Rückenschmerzen genauso schnell gehen, wie sie gekommen sind. Er hält diese Herangehensweise für durchaus angebracht, denn in vielen Fällen bereiten Rückenschmerzen den Betroffenen nur kurzzeitig Sorgen. Zugleich merkt Froböse allerdings an, dass die Zahl derjenigen steigt, die mit Rückenschmerzen sofort eine Klinik aufsuchen. Obwohl der Hausarzt Sprechzeit hatte, wählte fast jeder Zweite den direkten Weg zur Notfallstation. Dies geht aus dem Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK hervor, der im Frühjahr 2018 veröffentlicht wurde.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Befragung, welche für den Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK durchgeführt wurde, ergab, dass den Betroffenen in den meisten eine Physiotherapie verschrieben wurde. 42 Prozent der Patienten bekamen Schmerzmittel, und fast jedem Dritten verabreichten die Ärzte eine Spritze. Mit etwa jedem fünften Betroffenen wurde ein Gespräch über den Umgang mit den Rückenschmerzen geführt.

Krankheitsbild ist oftmals komplex

In der Vergangenheit rückte zunehmend das verhaltensmedizinische Training ins Blickfeld der Behandlung. So ist es wichtig, dass bei der Diagnose von Rückenschmerzen auch das Wissen um Stress und Psyche Berücksichtigung findet. Schließlich ist es in vielen Fällen nicht der Körper, auf den der Schmerz zurückzuführen ist. Das Ziel aus kombiniertem verhaltensmedizinischem und körperlichem Training ist die Identifikation von Angewohnheiten, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken bzw. zu einem verstärkten Schmerz führen. Mit Ärzten und Therapeuten spricht der Patient auch über das familiäre sowie Arbeitsumfeld. Sofern sich Unzufriedenheiten identifizieren lassen, werden gemeinsam Lösungsansätze gesucht.

Sprachen Ärzte und Therapeuten vor Jahren schnell die Empfehlung aus, den Rücken möglichst zu schonen, geschieht dies heute differenzierter. So wurde festgestellt, dass Patienten, die normale körperliche Aktivität vermeiden, zum Einen langfristig körperliche Nachteile wie beispielsweise den Verlust an Kraft und Ausdauer oder einen Calciumabbau der Knochen davontragen können. Zum Anderen riskieren sie negative psychosoziale Folgen wie soziale Isolation. Statt den Rücken zu schonen, ist die Unterstützung der Rückenschmerzpatienten in ihren normalen Bewegungsabläufen förderlicher.

Medikamente gegen Rückenschmerzen

Selbstverständlich wollen von Rückenschmerzen Betroffene im Alltag weiter aktiv sein. Um den Schmerz zu unterbinden, kommen im Rahmen einer medikamentösen Therapie in erster Linie Paracetamol, NSAR und Opioide zum Einsatz. Möglich ist auch eine Therapie mit Muskelrelaxantien und Psychopharmaka.

Paracetamol gilt als schwächstes Medikament und findet Verwendung, wenn es um die Linderung harmloser Rückenschmerzen geht. Es zeigt eine muskelentspannende Wirkung. Letzteres trifft auch auf das rezeptpflichtige Metamizol zu, das etwas stärker wirkt. Sind die Rückenschmerzen akut, greifen Betroffene zu sogenannten ‚Nichtsteroidalen Antirheumatika‚, kurz NSARs. Durch sie werden bestimmte Enzyme gehemmt, die für die Produktion körpereigener Schmerz- und Entzündungsstoffe verantwortlich sind. Nebenwirkungen können die Magen- und Darmschleimhaut betreffen. Für Patienten mit Herz- und Nierenproblemen eignen sich NSARs nicht.

Bei bereits chronifizierten Rückenschmerzen kommen Opioide zur Anwendung. Dies ist auch der Fall, wenn andere Medikamente nicht die gewünschte Linderung verschaffen. Die Einnahme erfolgt nach einem streng festgesetzten Zeitplan. Opioide schlagen nur bei etwa jedem zweiten Patienten langfristig an. Nicht selten treten Nebenwirkungen auf, zu denen neben Übelkeit, Verstopfung und Probleme beim Wasserlassen zählen. Im Behandlungsverlauf lassen letztere allerdings meist nach. Zeigen schwächer wirksame Opioide wie beispielsweise Codein, Dihydrocodein oder das mit Naloxon kombinierte Tilidin nicht die beabsichtigte Wirkung, kombiniert der Arzt das Medikament mit einem peripher wirkenden Schmerzmittel oder einem muskelentspannenden Medikament wie beispielsweise Flupirtin oder Tolperison. Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Buphrenorphin und Fentanyl stellen stark wirksame Opioide dar. Da für sie das Betäubungsmittelverschreibungsverordnung gilt, ist ein entsprechendes Rezept erforderlich.

Hausmittel bei Rückenschmerzen?

Bei Rückenschmerzen muss der Betroffene nicht zwangsläufig zum Schmerzmittel greifen. Lang ist die Liste alternativer Präparate, die bei leichten Beschwerden und Verspannungen Linderung verschaffen können. Leicht anwendbar ist beispielsweise die in der Apotheke erhältliche Arnikasalbe. Nachdem die Salbe auf die betroffene Stelle aufgetragen und leicht einmassiert wird, wirken die in der Pflanze enthaltenen ätherischen Öle lindernd und zugleich entspannend. Erfolgreich einsetzen lässt sich bei Rückenschmerzen ein warmer Heublumensack, den es ebenfalls in der Apotheke zu erwerben gibt. Sobald der Heublumensack im Wasserdampf erhitzt wurde, wird er auf der schmerzenden Stelle platziert und kann bei etwa 45-minütiger Bettruhe einwirken. Ein weiteres bewährtes Hausmittel gegen Rückenschmerzen stellt Kampferöl dar. Morgens und abends auf den Rücken gerieben, hilft es, verkrampfte Muskeln zu lockern. Als Badezusatz eignet sich Rosmarinöl sehr gut. Die in ihm enthaltenen ätherischen Öle Borneol und Cineol regen die Durchblutung an und wirken dadurch wärmend.

Allgemein lässt sich sagen, dass sportliche Aktivität wirksamer ist als Massagen oder Wärmebehandlungen. Entsprechende physiotherapeutische Maßnahmen verschaffen dem Patienten Linderung in einem Zeitraum, in welcher er noch nicht in der Lage ist, sich sportlich zu betätigen. Steht der aktiven Phase nichts mehr im Wege, sollte sie genutzt werden. Auf die Frage, welche Sportarten besonders empfehlenswert seien, antworten Experten, dass es wichtig ist, dass der gewählte Sport dem Patienten Spaß bereitet. So ist es vielmehr das Ziel von Schwimmen, Wassergymnastik, Yoga oder Radfahren, Lebenslust zu spüren, und weniger, den Schmerz zu bekämpfen.

‚Hackend‘ den Rücken stärken

Da über 80 Prozent der Rückenschmerzen muskuläre Ursachen haben, sind regelmäßige, den Rücken stärkende Übungen wichtig. Prof. Froböse empfiehlt die ‚Hacker‘ genannte Übung, die die in der Mitte des Körpers liegenden, kleinen Rückenmuskeln stimuliert. In der Grundstellung befinden sich die Arme im rechten Winkel an den Oberkörper angelehnt. Nun werden beide Unterarme für eine Dauer von 30 Sekunden wechselseitig nach oben und unten bewegt, wobei versucht wird, immer schneller zu werden. Durchführen lässt sich die Übung sowohl im Sitzen als auch im Stehen.

Vorbeugung

Um Rückenschmerzen erst garnicht entstehen zu lassen, ist es wichtig, körperlich aktiv zu bleiben. In den Alltag sollte so viel wie möglich Bewegung integriert werden. Besonders gut eignen sich asymmetrische Bewegungsabläufe, wie sie beispielsweise beim Radfahren erfolgen. Einfach umzusetzen ist der Treppengang, dem gegenüber dem Fahrstuhl der Vorzug gegeben werden sollte. Wer lange am Schreibtisch sitzt, ist gut beraten, sich einen rückenfreundlichen Arbeitsplatz einzurichten und regelmäßig die Position zu wechseln.

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Weitere Informationen

Quellen:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/91853/Rueckenschmerzen-werden-ein-immer-groesseres-Problem
https://www.aerzteblatt.de/archiv/24312/Wandel-in-der-Behandlung-von-Rueckenschmerzen

https://www.ratgeber-muskeln-gelenke-knochen.de/rueckenschmerzen/symptome-ursachen/
https://schmerzliga.de/rueckenschmerzen.html
https://www.gesunde-hausmittel.de/rueckenschmerzen-kreuzschmerzen
https://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/kreuzschmerz-den-ruecken-staerken-durch-hacker-und-kraule-2015081242799

 

Beitragsbild © osteoclinic / Pixabay
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