Neurodermitis und Schuppenflechte – Worin bestehen die Unterschiede?

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Auf den ersten Blick ähneln sich Neurodermitis und Schuppenflechte. Beide Hauterkrankungen weisen klassische Symptome wie Juckreiz, Rötung und Entzündung auf. Dennoch stecken hinter jedem Krankheitsbild unterschiedliche Ursachen, die ein anderes therapeutisches Vorgehen erfordern. Was vom Laien verwechselt werden kann, diagnostiziert der Hautarzt eindeutig. Lesen Sie hier, wie vielfältig die Beschwerden sein können!

Schuppenflechte oder Neurodermitis – Zwei Krankheiten mit wesentlichen Unterschieden

Eine Neurodermitis bezeichnen Ärzte als atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis. Der medizinische Fachbegriff für eine Schuppenflechte lautet Psoriasis. In beiden Fällen handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die erblich veranlagt ist und schubweise auftritt. Je nach Schweregrad des Krankheitsverlaufes führen Neurodermitis und Psoriasis zu Einschränkungen der Lebensqualität. Obwohl für die häufigsten, chronischen Hauterkrankungen bislang keine Aussicht auf Heilung besteht, sind die Symptome meistens gut behandelbar. Wie sich die Krankheiten im Einzelnen voneinander abgrenzen lassen, erfahren Sie nun im Detail.

  • Häufigkeit
    Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa 14 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens an Neurodermitis erkranken. Laut dem Berliner Robert-Koch-Institut leidet schätzungsweise jedes achte Kind in Deutschland an atopischer Dermatitis. Ärzte vom Psoriasis-Zentrum Kiel sprechen von jedem vierten Kind, das erkrankt ist. Nicht selten sind Säuglinge betroffen. Einer japanischen Studie zur Folge ist eine Häufung von schweren Krankheitsverläufen bei Männern ab 65 ersichtlich. Im Vergleich zur Neurodermitis ist die Schuppenflechte insbesondere zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr zu beobachten. Mediziner vermuten, dass aktuell etwa zwei Millionen Deutsche an Psoriasis erkrankt sind.
  • Krankheitsmuster
    Schuppenflechte oder Neurodermitis zeigen ein spezielles Verteilungsmuster. Bei atopischer Dermatitis sind oftmals Hände, Gesicht und Kopfhaut von quälendem Juckreiz betroffen. An Handgelenken, Ellenbogen und Kniekehlen ist sehr dünne Haut typisch für Neurodermitiker. Über zwei Drittel der Patienten mit Schuppenflechte zeigen entzündliche Hautveränderungen an Kopfhaut und Haaransatz, Stirn und Nacken. Eine Besonderheit des Krankheitsbildes ist die sogenannte Psoriasis-Arthritis. Die schmerzhafte Gelenkentzündung betrifft hauptsächlich Finger und Zehen.
  • Erscheinungsbild
    Extremer Juckreiz prägt die Symptomatik von Neurodermitis und Psoriasis. In der Regel verstärkt Wärme bei atopischer Dermatitis die gesundheitlichen Probleme. Ein weiteres Merkmal sind nässende Ekzeme. Nach beschwerdefreien Phasen lösen sogenannte Trigger wie beispielsweise Nahrungsmittel und Witterungsbedingungen den nächsten Schub aus. Mit zunehmendem Alter wirkt das Hautbild gröber. Die Pigmentierung kann sich ebenfalls stellenweise verändern. Bei einer Psoriasis bedecken silbrige Schuppen die Haut. Die geröteten Hautareale sind scharf begrenzt. Sowohl von Neurodermitis, als auch von Schuppenflechte geht keine Ansteckungsgefahr aus.

  • Ursachen
    Vermutlich lösen mehrere Faktoren die Entstehung einer Schuppenflechte oder Neurodermitis aus. Bei einer atopischenDermatitis ist die Hautbarriere gestört. Aufgrund einer Genveränderung kann die Hornschicht der Haut ihrer Schutzfunktion nicht mehr nachkommen. Ein möglicher Grund ist der Mangel an Filaggrin. Fehlt das Protein, verändert sich die Beschaffenheit von Hautfett. Die geschädigte Epidermis (Oberhaut) verliert Feuchtigkeit, so dass durch mikrobielle oder toxische Reize eine Entzündung hervorgerufen wird. Übrigens zieht auch eine übersteigerte Hygiene die normale Hautfunktion in Mitleidenschaft. Mediziner gehen davon aus, dass zu exzessives Waschverhalten eine untergeordnete Rolle bei Neurodermitis und Psoriasisspielt. Neben der genetischen Veranlagung und einem fehlgeleiteten Immunsystem gelten psychischer Stress, Infektionen, Hautverletzungen, Stoffwechselstörungen, Hormonschwankungen und Medikamente als Auslöser einer Schuppenflechte.

  • Immunologie
    Deutliche Unterschiede zeigen Neurodermitis und Schuppenflechte immunologisch. Während die atopische Dermatitis aus einer Kombination verschiedener Trigger entsteht, handelt es sich bei der Psoriasis um eine klassische Autoimmunkrankheit. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Infolge dessen kommt es zu einer überschießenden Hauterneuerung mit charakteristischer Schuppung. Im Gegensatz dazu reagiert das Immunsystem bei einer Neurodermitis überaktiv, denn es ordnet Keime und Pollen, Umweltgifte und Nahrungsmittel als potentielle Gefahr ein. Daraus entsteht eine chronische Hautentzündung mit starkem Juckreiz. Bei einer Mischform mit unklaren klinischen Symptomen kann der Patient sogar zwischen beiden Hauterkrankungen wechseln. Allerdings ist das gleichzeitige Vorkommen von Neurodermitis und Psoriasis aus immunologischer Sicht nicht möglich.

  • Begleiterkrankungen
    Schuppenflechte oder Neurodermitis treten oft in Zusammenhang mit typischen Begleiterkrankungen auf. Mitunter prägen mehrere Krankheiten gleichzeitig den Verlauf von Psoriasis. Dazu zählen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck. Unter Umständen entwickeln Menschen mit Neurodermitis zusätzliche Allergien wie Asthma bronchiale, sowie Heuschnupfen mit Bindehautentzündung. Hinzu können Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Kontaktallergien kommen. Die sogenannten Krankheiten des atopischen Formenkreises treten nacheinander, parallel oder alleine auf.
  • Diagnose
    Sofern Ihnen unerklärliche Hautveränderungen auffallen, ist der Gang zum Arzt unerlässlich! Am Anfang einer Diagnose von Schuppenflechte oder Neurodermitis stehen Anamnese (Gespräch) und klinische Untersuchung. Bei Verdacht auf eine atopische Dermatitis ergänzt die Suche nach Allergieauslösern die Diagnosestellung. Geht der Arzt von einer Psoriasis aus, geben spezielle Laborparameter und bildgebende Verfahren Auskunft über den Schweregrad der Erkrankung.

  • Therapie
    Je nach Zustand der Haut erfordern Neurodermitis und Schuppenflechte ein unterschiedliches Vorgehen in der Behandlung. Beiden Erkrankungen gleich ist eine rückfettende Basispflege. Auch Licht- und Badetherapie zeigen bei atopischer Dermatitis und Psoriasis Erfolge. Neurodermitiker müssen Allergieauslöser meiden. Kosmetika mit bestimmten Zusatzstoffen sind tabu. Eine pflanzenbetonte Mittelmeerkost empfehlen Ärzte Patienten bei Schuppenflechte.

Neurodermitis und Psoriasis – Enge Verbindung von Psyche und Haut

Aufgrund steigender Fallzahlen zählen entzündliche Hauterkrankungen mittlerweile zu den Volkskrankheiten. Experten sehen eine Wechselwirkung zwischen Haut und Psyche. Daher werden Neurodermitis und Schuppenflechte auch als psychosomatische Dermatosen bezeichnet. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigte, dass starke immunologische Reaktionen von psychischem Stress erzeugt werden. Deshalb halten Experten eine psychotherapeutische Unterstützung bei Schuppenflechte oder Neurodermitis als sinnvoll. Außerdem stellen Entspannungsübungen wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung das innere Gleichgewicht her und lassen Sie zur Ruhe kommen! Trotz chronischer Erkrankung soll die Lebensqualität bestmöglich erhalten bleiben!

www.bitteberuehren.de/schuppenflechte/psoriasis-vs-neurodermitis/
www.netdoktor.de/krankheiten/neurodermitis/
www.netdoktor.de/krankheiten/psoriasis/schuppenflechte-psoriasis/
www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/neurodermitis/verbreitung.html
www.aerzteblatt.de/archiv/62880/Psoriasis-neue-Erkenntnisse-zur-Pathogenese-und-Therapie
www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/940-schwere-neurodermitis-bei-erwachsenen-haeufig-unerkannt-und-unbehandelt/allpages.html
www.aerzteblatt.de/archiv/34406/Hautkrankheiten-Wechselwirkung-zwischen-Haut-und-Psyche
www.ratgeber-hautgesundheit.de/schuppenflechte/entspannungsuebungen/

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Bildnachweise
Beitragsbild: © impulsq / Unsplash

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