Umgang mit Schizophrenie – Was Angehörige Betroffener wissen sollten!

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Schizophrenie ist eine belastende Erkrankung, die Patienten und Angehörige gleichermaßen fordert. Für den Umgang mit der schwer psychischen Krankheit ist es um so wichtiger, dass sich Betroffene von nahestehenden Personen angenommen und unterstützt fühlen. Was Sie als Familienmitglied im Umgang mit Schizophrenie beachten sollten und welche Hilfsangebote Ihnen selbst zur Verfügung stehen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Umgang mit Schizophrenen – so normal wie möglich

Die erste Herausforderung, die auf Sie als Angehöriger zukommt, ist eine Akzeptanz der Diagnose. Am Ausbruch der Krankheit tragen Sie keine Schuld! Denn die Ursachen für Schizophrenie sind nach jetzigem Kenntnisstand in erblichen Komponenten, biochemischen Veränderungen und belastenden Lebenssituationen begründet. So nimmt jede Schizophrenie ihren individuellen Verlauf. Als Angehöriger sollten Sie sich auf eine dauerhafte Veränderung einstellen!

Das Zusammenleben mit Betroffenen erfordert viel Verständnis, Geduld und Einfühlungsvermögen. Für Prognose und Krankheitsverlauf ist ein stabiles soziales Netz entscheidend. Enge familiäre und vertrauensvolle partnerschaftliche Bindungen fördern das Selbstwertgefühl von Patienten. Dabei hilfreich ist, die Krankheit klar von der Person zu trennen! Obwohl Sie den vertrauten Menschen anders als bisher erleben, sollte die Schizophrenie innerhalb der Familie und dem Freundeskreis nicht ständig thematisiert werden. Trotz der Erkrankung Ihres Angehörigen oder Partners haben auch Sie ein Anrecht auf eigene Ziele und Wünsche!

Struktur und Aufgaben

Grundsätzlich gilt: Was dem Kranken gut tut, trägt zur Bewältigung seiner Lebenssituation bei. Wichtig ist ein einfacher und klar strukturierter Alltag, sowie ein ordentliches und sauberes Zuhause. Achten Sie auf ein stabiles Umfeld mit wenigen Bezugspersonen, die das eigenverantwortliche Handeln des Betroffenen mobilisieren und fördern. Unterstützen Sie den Kranken im Kontakt zur Außenwelt. Sprechen Sie Konflikte offen an, ohne den Erkrankten zu überfordern. Sofern Sie klärend und ordnend auf Ereignisse reagieren, wird sich Ihr Vorgehen positiv auf das Denken und Fühlen Betroffener auswirken. Damit psychisch kranke Menschen ein weitestgehend normales Leben führen können, sollten sie auch Pflichten haben (z.B. im Haushalt oder Garten). Passen Sie die Anforderungen an die jeweilige Tagesform Ihres Familienmitglieds an. Binden Sie Ihren Schützling in gemeinsame Tätigkeiten ein. Loben Sie das Ergebnis, um sein Selbstvertrauen zu steigern.

Viele Patienten und ihre Angehörigen erleben nach der Diagnose Schizophrenie eine gesellschaftliche Stigmatisierung. Untersuchungen der Universität Greifswald zufolge, stieg die soziale Distanz gegenüber psychisch Kranken in der Bevölkerung. Zwar sank die Befangenheit gegenüber der Erkrankung, dennoch ist ein Anstieg von negativen Einstellungen zu Menschen mit Schizophrenie erkennbar. Gründe dafür sehen die Wissenschaftler in der Reduzierung psychisch Kranker auf eine Funktionsstörung im Gehirn. Die Ablehnung in der Bevölkerung resultiert hauptsächlich aus der Andersartigkeit Betroffener. Was den Medien in den kommenden Jahren bleibt, ist eine differenziertere Sichtweise auf den Alltag psychisch Kranker.

Welche Hilfe Angehörigen zur Verfügung steht

Damit Menschen mit Schizophrenie ein zufriedenstellendes Leben führen können, sollten Bezugs- und Kontaktpersonenumgehend in die Behandlung psychisch Kranker einbezogen werden. Die Familientherapie dient als ergänzende Möglichkeit. Erfahrungen zeigen, dass Patienten weniger unter Rückfällen leiden, wenn Angehörige familientherapeutisch begleitet und geschult sind. Nicht jedes Familienmitglied muss teilnehmen. Manchmal ist es ratsam, Freunde und Kollegen einzubinden, um die Auswirkungen der Krankheit auf das persönliche Umfeld zu erörtern. In gemeinsamen Gesprächen stehen die Gefühle und Bedürfnisse aller im Mittelpunkt. Wo Beteiligte ehrlich über ihre Probleme sprechen, fühlen sich Schizophrene nicht ausgegrenzt oder hintergangen.

Sogenannte Angehörigengruppen mit professioneller Begleitung geben Halt in Krisensituationen, um eventuellen Rückfällen Betroffener vorzubeugen. Die Teilnehmer erfahren viel zu Ursachen, Auslösern und Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit. Sie werden darin angeleitet, Stress zu bewältigen und angemessen mit dem Erkrankten umzugehen. Gleichzeitig wird Hilfestellung zu sozialen Fragen geleistet.

Reine Angehörigen-Selbsthilfegruppen bestehen nur aus nahestehenden Personen Betroffener und sind nicht fachkundig unterstützt. Dennoch profitieren alle Beteiligten vom Austausch mit anderen Angehörigen. Wo Sie sich einer entsprechenden Gruppe anschließen können, erfahren Sie beim behandelnden Arzt, bei der Selbsthilfekontaktstelle oder beim Landesverband für Angehörigengruppen.

Beitragsbild © StockSnap / Pixabay
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