Schizophrenie bei Kindern

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Üblicherweise treten die ersten Anzeichen einer Schizophrenie erst im jungen Erwachsenenalter oder deutlich später auf. Kinder sind sehr selten betroffen, trotz der Annahme, dass die Grundlage für eine Schizophrenie bereits in jungen Jahren gelegt wird. Die Symptome sind häufig weniger eindeutig als bei Erwachsenen und zeigen sich anders. Diese Umstände erschweren die Diagnose.

Was ist Schizophrenie?

Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und leitet sich von den Worten „s’chizein„, spalten, zerspalten, zersplittern, und „phren„, Geist, Seele, Gemüt, ab. Schizophrenie soll folglich eine Erkrankung darstellen, die sich durch eine „zersplitterte Seele“ auszeichnet. Aufgrund der Übersetzung wird die Psychose sehr häufig im alltäglichen Sprachgebrauch mit der multiplen Persönlichkeitsstörung gleichgesetzt. Im Gegensatz zur Schizophrenie spaltet sich bei dieser Störung die Persönlichkeit in mehrere Teilpersönlichkeiten, die alle über ein unterschiedliches Denken und Fühlen verfügen und einen eigenständigen Charakter haben.
Bei der Schizophrenie hingegen verändern sich die Gedanken und Gefühle sehr deutlich, das Verhalten wird von außen oft als unberechenbar oder gar wahnhaft wahrgenommen.

Ursachen der Schizophrenie

Die Ursachen für eine Schizophrenie konnten bis heute von der Wissenschaft nicht exakt benannt werden. Aktuell sind 0,5 – 1 % der Bevölkerung von dieser Psychose betroffen. Forscher vermuten eine Kombination aus mehreren Faktoren, die das Auftreten einer Schizophrenie begünstigen können. Dazu gehören biochemische Veränderungen des Gehirns, genetische Vorbelastungen oder Vernachlässigung und Trauma in der Kindheit.
In einer Studie konnte gezeigt werden, dass bei einer Vorbelastung der Eltern das Risiko selbst an einer Schizophrenie zu erkranken, erhöht ist. Ist ein Elternteil betroffen, beträgt die Wahrscheinlichkeit 12 %, bei beiden Elternteilen liegt sie bei über 40 %. Eine Studie bei Kindern konnte zeigen, dass bestimmte Hirnareale nicht ausreichend entwickelt seien, was für eine Entwicklungsstörung des Hirns spricht, die verantwortlich für die Schizophrenie ist.
Tritt die Schizophrenie bei Kindern auf, wird davon ausgegangen, dass es in der Schwangerschaft oder bei der Geburt bereits zu Komplikationen kam. In Betracht gezogen werden außerdem Stress in der frühen Kindheit oder Traumata.

Symptome der Schizophrenie

Üblicherweise wird bei einer Schizophrenie zwischen Positiv- und Negativsymptomen unterschieden. Exakte Symptome zu benennen ist mitunter nicht einfach, da sich Schizophrenie sehr unterschiedlich manifestieren kann. Besonders bei Kindern sind die klassischen Symptome, wie sie bei Erwachsenen auftreten, entweder schwach oder gar nicht ausgeprägt.
Zu den klassischen Positivsymptomen gehören Wahnvorstellungen, Halluzinationen, leichte Ablenkbarkeit bis hin zur Aggressivität und bizarren Ideen.
Negativsymptome zeichnen sich vor allem durch einen emotionalen Rückzug aus, der Betroffene redet nur noch wenig und hat mitunter Probleme, sich verbal ausdrücken zu können. Er wirkt im Gesamten irgendwie „abwesend“. Es kann sogar die Motorik und das gesamte kognitive Vermögen betroffen sein, die Aufmerksamkeit ist stark eingeschränkt.
Bei Kindern treten diese Symptome ebenso auf wie bei Erwachsenen. Je jünger das Kind, umso schwächer und weniger eindeutig sind sie allerdings. Positivsymptome werden gerne als Fantasie-Gebilde abgetan und kaum wahrgenommen. Die Negativsymptome werden erst dann ernst genommen, wenn das Kind sehr antriebslos und unbeteiligt an der Außenwelt wirkt.

Verlauf der Schizophrenie

Die Schizophrenie verläuft meist in Schüben. Typischerweise dauert ein Schub wenige Wochen bis zu mehreren Monaten. Es ist möglich, dass der Schub im Kindheitsalter der einzige im Leben des Kindes bleibt, möglicherweise kann er allerdings ein Leben lang bestehen bleiben.
Je schlimmer die Psychose ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass erneut eine Psychose auftreten kann.
Da die Symptomatik bei Kindern oft nicht ganz eindeutig ist und sie aufgrund der eigenen Entwicklung immer wieder zu Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsveränderungen neigen, wird die Diagnose Schizophrenie häufig erst sehr spät gestellt.

Worauf Eltern achten sollten

Eltern sollten bei ihren Kindern bei plötzlich auftretenden Verhaltensänderungen aufmerksam werden. Kann das Kind sich plötzlich nicht mehr konzentrieren, baut stark an Leistung ab, treten Schreib- und Sprachschwierigkeiten auf, sollten Eltern hellhörig werden.
Berichtet das Kind sogar von Wahnideen oder hört Stimmen, sollte umgehend ein Psychiater aufgesucht werden. Das Auftreten eines imaginären Freundes, der dem Kind Anweisungen gibt, ist ein deutliches Alarmzeichen. Selbstverletzungenund Aggressionen gegen sich oder andere sind ebenfalls ein deutlicher Hinweis.
Für Eltern gilt in jedem Falle, dass sie bei deutlichen Verhaltensänderungen frühzeitig einen Arzt oder Psychiater aufsuchen sollten. Ob es sich um eine Schizophrenie, eine andere psychische Störung oder doch um eine unbedenkliche Symptomatik handelt, kann nur der Fachmann entscheiden.

Behandlungsmöglichkeiten

Ähnlich wie bei Erwachsenen verläuft die Schizophrenie bei Kindern in Schüben. Schizophrenie ist nicht heilbar, sondern es können während eines Schubes lediglich die Symptome gelindert werden. Dies geschieht in aller Regel durch eine medikamentöse Behandlung. Kindern werden in solchen Fällen die gleichen Psychopharmaka verordnet wie Erwachsenen. Begleitend kann eine Psychotherapie zum Einsatz kommen, eine medikamentöse Behandlung ist allerdings meist unumgänglich.
Je nach Ausprägung der Symptome ist es erforderlich, das Kind für einen gewissen Zeitraum in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie unterzubringen. Viele Eltern scheuen sich vor diesem Schritt, sollten aber nicht vergessen, dass während einer Psychose das Risiko der Eigen- und Fremdgefährdung relativ hoch ist.

Diagnostik und Prognose

Viele Eltern fürchten, dass ihr Kind nach dem ersten Auftreten der Schizophrenie fortan das gesamte Leben belastet ist. Das kann der Fall sein, muss es aber zwangsläufig nicht. Eine Rolle spielt dabei, ob die Diagnose frühzeitig gestellt werden kann und entsprechend behandelt wird. Grundsätzlich gilt, je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser.
Die Diagnose wird anhand der Symptome gestellt, da es keine spezifischen Tests gibt, weder bei Kindern noch bei Erwachsenen. Mittels Bildgebung kann ausgeschlossen werden, ob Hirnschädigungen oder andere Erkrankungen für die Symptome verantwortlich sind.
Eine exakte Prognose kann, wie bei den meisten psychischen Erkrankungen, nicht gegeben werden. Bezüglich der Schizophrenie bei Kindern ist der weitere Verlauf vor allem davon abhängig, wie ausgeprägt die Symptome sind.
Handelt es sich nur um eine leichte Symptomatik, stehen die Chancen gut beziehungsweise im Vergleich zu Erwachsenen sogar besser, dass es sich um ein einmaliges Auftreten handelt. Sind die Symptome allerdings sehr ausgeprägt und treten schon in sehr jungen Jahren auf, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Schizophrenie das ganze Leben begleitend vorhanden ist.

Beitragsbild © rubberduck1951 / Pixabay
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