Epilepsie bei Kindern

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Von etwa 100.000 Kindern erkranken etwa 50 jährlich an Epilepsie. Obwohl epileptische Anfälle in jedem Lebensalter auftreten können, betrifft dieses Krankheitsbild tatsächlich zur Hälfte Kinder unter 10 Jahren. Zwei Drittel der Epileptiker sind unter 20 Jahre alt. Auslöser der Krampfanfälle sind dabei Störungen des zentralen Nervensystems.

Mögliche Auslöser für epileptische Anfälle

Neben den üblichen Auslösern wie Hirntumoren, Traumata oder Schäden des Gehirns als Folge einer Blutung kann auch Sauerstoffmangel epileptische Anfälle herbeiführen. Infektionen wie Meningitis begünstigen gleichfalls das Auftreten von Epilepsie. Durch Umwelteinflüsse, sogenannten provozierenden Auslösern, kann ein epileptischer Anfall ebenso in Erscheinung treten. Zu diesen Faktoren gehören Lichtblitze, die beispielsweise von Beleuchtungsanlagen oder Monitoren und Bildschirmen ausgehen, aber auch Schlafmangel, Stress oder hormonelle Schwankungen, wie sie häufig in der Pubertät auftreten.

Die Wissenschaft bezieht sich bei den Ursachen von Epilepsie auf Botenstoffen im Gehirn, die nicht im Gleichgewicht stehen. Dazu gehört beispielsweise die Gamma-Aminobuttersäure, ein hemmender Stoff des Nervensystems, und das erregende Glutamat. Das von beiden Stoffen im Ungleichgewicht stehende Verhältnis kann dabei sowohl einzelne Teile des Gehirnareals betreffen, aber auch die gesamte Hirnrinde in Mitleidenschaft ziehen. Letztlich wird davon ausgegangen, dass die Erkrankung von mehreren Einflüssen begünstigt wird.

Abschließend kann auch eine Fehlentwicklung des Gehirns während der Schwangerschaft die Ursache für Epilepsie bei Kindern sein. In der Zeit im Mutterleib ist das Gehirn des Ungeborenen sehr empfindlich. Erleidet die Mutter einen Sauerstoffmangel oder eine Infektion, so kann dies ein Anfallsleiden begünstigen. Auch Mangelernährung der werdenden Mutter kann eine Rolle spielen. Vererblich ist Epilepsie allerdings nur in den seltensten Fällen. Lediglich die Veranlagung zu epileptischen Anfällen wird weitergegeben. Nur ein Prozent der bekannten Epilepsieformen entsteht erblich bedingt. Dieses Krankheitsbild gehört jedoch zu den sehr seltenen Erscheinungen.

Symptome erkennen

Bei nur einem Anfall allerdings gleich von Epilepsie zu sprechen wäre dabei falsch. Letztlich trägt jeder Mensch die Veranlagung zu Anfällen in sich. Besonders bei Kleinkindern treten hin und wieder Fieberkrämpfe auf, die nicht im Zusammenhang mit der klassischen Epilepsie stehen. Vielmehr handelt es sich hier um vorübergehende Störung im Gehirn, die schnell wieder abklingt. Ebenso verhält es sich bei einem schlagartigen Abfall des Blutzuckerspiegels oder bei einer Infektion im Gehirn.

Mediziner sprechen erst dann von einer Epilepsie, wenn wenigstens zwei voneinander unabhängige Anfälle auftreten. Ein weiteres Indiz sind Befunde, die per EEG (Elektroenzephalographie) und via MRT (Magnetresonanztomographie) erhoben werden. Außerdem ist der Arzt meistens auf die Beobachtung Dritter angewiesen, die dem Krampfanfall beigewohnt haben. Dabei ist es von äußerster Wichtigkeit, jedes Detail des Anfalls wörtlich wiederzugeben. Der Arzt wird wissen wollen, wie lange der Krampfanfall in etwa gedauert hat, ob das Kind sich vor dem Anfall über Unwohlsein äußerte und was dem Anfall im Allgemeinen vorausging. War der kleine Patient wütend, besonders freudig erregt oder war es einem starken Lichtreiz ausgesetzt? Hat beispielsweise das Telefon geklingelt, als der Krampfanfall auftrat? Wurde das Kind berührt, kurz bevor es zum Anfall kam? Hat es in letzter Zeit unter Schlafmangel gelitten oder Medikamente eingenommen?

Auch die Tatsache, wie die Krämpfe verliefen, ist von großer Bedeutung. Traten sie einseitig auf und war das Kind in der Lage auf Worte zu reagieren? Hörte der Anfall abrupt auf, und war das Kind hinterher orientierungslos? Auch in der Aufregung sollten Beteiligte versuchen, solche Fragen so genau wie möglich zu beantworten. Denn mitunter können viele Jahre vergehen, bis eine gesicherte Diagnose über das Vorliegen einer Epilepsie gestellt wird.

Neben EEG und MRT sowie der mündlichen Anamnese werden zur Diagnose noch Bluttests durchgeführt. Blutwerte und Urin werden im Labor untersucht, doch auch ein Test des Nervenwassers ist notwendig. Auffälligkeiten an anderen Organen werden gesucht und beobachtet, um ein genaues Bild der Krankheit zu erstellen. Zu diesen Organen gehören mitunter die Augennetzhaut und die Leber. Ziel der aufwendigen Untersuchungen ist es zunächst, eine dauerhafte schwere Schädigung des Gehirns auszuschließen und die medikamentöse Behandlung vorzubereiten.

Ist eine Heilung durch Therapie möglich?

Je besser das Kind und seine Eltern über das Vorliegen der Epilepsie aufgeklärt sind, desto eher können die Betroffenen damit umgehen. Denn wichtig ist es für die Zeugen eines Anfalls, dabei gelassen zu bleiben. Epileptische Krampfanfälle dauern durchschnittlich 90 Sekunden. Wird diese Dauer deutlich überschritten, können krampflösende Mittel verabreicht werden. Diese Antiepileptika setzen Impulse, die zur Entspannung der betroffenen Nerven führen.

Ist die Form der vorliegenden Epilepsie diagnostiziert, kommen häufig Medikamente zum Einsatz. Die Verabreichung wird während eines stationären Krankenhausaufenthalts eingestellt, um das Kind dabei genau beobachten zu können. Zunächst steigert sich die Dosierung schrittweise. Stellt sich der gewünschte Erfolg ein, kann über einen langen Zeitraum versucht werden, die Medikation in Schritten wieder abzusetzen. Natürlich gibt es auch Operationen, die eine Epilepsie heilen können. Manche chirurgischen Eingriffe zielen auf die Entfernung auslösender Gehirnareale ab, doch auch der Einsatz eines Hirnschrittmachers ist möglich. Dieser sendet elektrische Impulse zur Stimulation der Nerven.

Im günstigsten Fall ist es möglich, epileptische Anfälle ohne Medikamente zu therapieren. Eine Umstellung der Ernährung in eine sogenannte ketogene Diät erfolgt dabei häufig. Das bedeutet, dass bei der Nahrungsmittelaufnahme auf die Verabreichung von möglichst viel gesunden Fetten und einer drastischen Reduzierung von Kohlenhydraten geachtet werden sollte. So wandelt der Körper das Fett in einen Glucoseersatz um, was wiederum zu einer Verringerung der Anfälle führen kann. Warum das so ist, bedarf noch einer abschließenden wissenschaftlichen Klärung, sicher sind sich die Forscher jedoch, dass die Ketonkörper eine positive Rolle bei der Heilung von Epilepsie bei Kindern spielen. Werden dann noch auslösende Reize wie Geräusche oder optische Stimulatoren vermieden, können weitere Krampfanfälle dauerhaft unterbunden werden. In manchen Fällen der Epilepsie wachsen die Kinder auch buchstäblich aus der Krankheit heraus, beispielsweise zum Ende der Pubertät, wenn die hormonellen Veränderungen im Körper abgeschlossen sind.

Ein Wort zu Vorsichtsmaßnahmen

Es ist wichtig, einen normalen Umgang mit dem Kind zu pflegen. Zusätzliche Nervosität ist eine weitere Belastung für den Erkrankten. Während eines Anfalls sollten Gegenstände außer Reichweite gebracht werden, an denen sich der Patient verletzen könnte. Außerdem ist bei Krampfanfällen unbedingt Ruhe zu bewahrt, um das Kind nicht zusätzlich zu stressen. Der Besuch von Selbsthilfegruppen und enger Kontakt zum behandelnden Arzt sind immer eine große Hilfe für alle Betroffenen.

Beitragsbild © PublicDomainPictures / Pixabay
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