Reizdarm und Stress – wie hängt das zusammen?

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Patienten mit dem Reizdarm-Syndrom leiden unter schweren Bauchkrämpfen, Verstopfung und Durchfall. Die Symptome sind teils kryptisch und können erstaunlich wechselhaft auftreten. Betroffene haben körperliche Beschwerden, ohne einen medizinisch krankhaften Befund. Dies erschwert die korrekte Diagnose. Häufig will den Betroffenen niemand richtig glauben. Die Konsequenz für den Patienten ist, dass dieser sich nicht ernst genommen und nicht fachgerecht behandelt fühlt.

Wieso tritt das Reizdarm-Syndrom auf?

Genaue Ursachen für diese Krankheit sind noch nicht vollends verstanden. Veränderungen im Immunsystem des Darms, der Darmbarriere und dem Darmnervensystem spielen eine Rolle. Auch von der Darmschleimhaut sekretierte Zwischenprodukte, können die unerwünschten Symptome auslösen. Einzelne Enzyme, die in diesem Sekret enthalten sind, lösen eine Überaktivierung der Nervenzellen im Darmepithel aus. Die, von diesen überaktivierten Zellen innervierte Darmmuskulatur, reagiert folglich mit heftigen Kontraktionen. Auch Ihr Darm-Mikrobiom (die Gesamtheit aller Darmbakterien) kann erkranken. Im Zusammenhang damit stehen häufig Lebensmittel-Unverträglichkeiten gegenüber manchen Inhaltsstoffen, sowie länger andauernde Antibiotika-Behandlungen. Als einen weitereren möglichen Auslöser haben neuere Forschungen Infekte erkannt. Diese lösen zwar nicht selbst das Reizdarm-Syndrom aus, jedoch begünstigen sein auftreten.

Wenn Sie in Ihrem Alltag regelmäßig mit Stress konfrontiert sind, kann diese psychische Belastung sich ebenfalls negativ auf Ihre Darmgesundheit auswirken. Dies gilt auch vice versa. Wenn Ihre Darmflora nicht intakt ist, fühlen Sie sich nicht nur wegen der Symptome unwohl. Es kann passieren, dass eine ungünstige Zusammensetzung der verschiedenen Arten von Bakterien Ihre Psyche negativ beeinflusst. Ein Zusammenhang zwischen einer gesunden Darmflora und dem Immunsystem ist bereits seit langem bekannt.

Die Bakteriengemeinschaft im Darm ist komplex

In Ihrem Darm leben zirka 100 Billionen Mikroorganismen der unterschiedlichsten Gattungen und Arten. Das entspricht dem 100-fachen der Anzahl menschlicher Körperzellen sowie einem Gewicht von ein bis zwei Kilogramm. Das gesamte genetische Material des Mikrobioms übertrifft quantitativ die Gene im menschlichen Körper um das 150-fache. Die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms verändert sich im Laufe eines Lebens. Es kommen neue Arten hinzu und wieder andere werden durch Konkurrenz verdrängt. Nicht alle Arten sind Symbionten. Manche davon sind Nutznießer, schaden aber weder Ihrem Körper, noch benachbarten Bakterienpopulationen. Selten finden auch Störenfriede einen Weg, ein angeschlagenes Darmepithel zu besiedeln. Je nach Arten kann dies diverse negative Begleiterscheinungen verursachen oder überhaupt keinen Einfluss haben. Manchmal genügt ein, durch die Besiedlung erzeugtes Ungleichgewicht in der Populationsdynamik, um eine Dysbiose zu begünstigen. Dieses Ungleichgewicht kann sich über die so genannte Darm-Hirn-Achse auf die Psyche auswirken.

Die Darm-Hirn-Achse

Es ist seit einigen Jahren bekannt, dass eine gestörte Zusammensetzung der Darmflora Entzündungsreaktionen begünstigt. Diese wiederum aktivieren die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, welche maßgeblich an der Regulierung derjenigen Hormone beteiligt ist, welche die physiologische Grundlage für Stress darstellen. Durch die dauerhaft erhöhte Konzentration von Stresshormonen im Körper wird letztlich das gesamte Nervensystem negativ beeinflusst oder sogar geschädigt: Da das ständige Unwohlsein, welches durch das Reizdarm-Syndrom ausgelöst wird, ohnehin einen großen Stressfaktor darstellt, tritt hier letztlich eine starke gegenseitige Verstärkung auf. Da Stress auch einen negativen Einfluss auf das Immunsystem hat, fällt es dem Körper umso schwerer das Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen, oft auch pathogenen Bakterien zu korrigieren. Auch dies verstärkt letztlich die Reizdarm-Symptome, welche durch diese wechselseitige Beeinflussung letztlich nur sehr schwer erfolgreich zu behandeln sind.

 

Quellen:

https://studylibde.com/doc/5589333/darmmikrobiom-und-psyche–der-paradigmenwechsel-im-konzept
https://www.researchgate.net/publication/282399991_Dickdarmmikrobiom_Stressregulation_Inflammation_und_Psyche
https://www.gfgb.org/files/mmw/2014-MMW1419_reizdarmsyndrom-wird-immer-besser-verstanden.pdf
https://www.springermedizin.de/reizdarm-risiko-steigt-auch-nach-leichteren-magen-darm-infekten/13309414
http://www.fxmayr.com/UserFiles/Media/Immunsystem%20NEU%20korrigiert.pdf

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Beitragsbild © Counselling / Pixabay
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