Epilepsie – Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

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Unter einer Epilepsie versteht die heutige Medizin eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen. Sie alle werden durch das selbe Symptom – den epileptischen Anfall – definiert. Ein solcher entsteht durch eine unkontrollierte und vermehrte Entladungen der Nervenzellen. Alleine in Deutschland ist grob geschätzt jeder fünfte Bürger von einer Form der Nervenkrankheit betroffen. Doch welche Auslöser hat die Krankheit, durch welche Symptome äußert sie sich und mit welchen Behandlungsmöglichkeiten wartet die moderne Medizin dagegen auf?

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wie definiert sich Epilepsie?
  2. Welche Auslöser sind bekannt?
  3. Durch welche typischen Symptome äußert sich die Epilepsie?
  4. Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen Patienten offen?
  5. Lässt sich Epilepsie heilen – Der heutige Stand der Dinge

Wie definiert sich Epilepsie?

Eine Epilepsie betrifft das Hirn und ist eine der am häufigst auftretenden Nervenkrankheiten. Sie zeichnet sich durch regelmäßige epileptische Anfälle aus. Diese erfolgen durch eine unkontrollierte und intensive Entladung der Neuronen im Hirn. Wie stark ein solcher Anfall letztlich ausfällt, hängt von mehrere Faktoren ab. Ebenso wie die Symptome, hängen auch die Auswirkungen von der schwere der Epilepsie ab. Während einige Patienten nur ein leichtes Kitzeln und Zucken in den Gliedmaßen oder Muskeln spüren, verlieren schwerwiegend Erkrankte teilweise ihr Bewusstsein während eines Anfalls. Im gravierendsten Fall führt ein Anfall zur spontanen Bewusstlosigkeit und dem Zusammenzucken des gesamten Körpers. Aus diesem Grund wird die Epilepsie umgangssprachlich auch als “Fallsucht“ bezeichnet.

Für einen Klassifizierung als Epilepsie bedarf es mehrerer zutreffender Symptome. Das ILAE (International League against Epilepsie) nennt konkrete Punkte, anhand dieser eine Epilepsie diagnostiziert wird. Innerhalb von 24 Stunden müssen mindestens zwei Anfälle auftreten. Diese Anfälle müssen ohne einen speziellen Auslöser ausgelöst werden. Diverse Formen der Epilepsie äußern sich auch durch eine spezielle Indikation. Oft lassen sich Lichtreize oder spontane Geräusche als Auslöser festmachen. Auch wenn ein sogenanntes Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) vorliegt, wird von einer Epilepsie gesprochen. Zur Diagnostik bedient man sich hier spezifischer Hirnstrommessungen (EEG). Ein einziger epileptischer Anfall hingegen wird noch nicht als Epilepsie, sondern als Gelegenheitsanfall definiert. Derartige Anfälle treten in der Regel im Verlaufe anderer Krankheiten auf. Durch die Behandlung der dahinterliegenden Krankheit verschwinden auch besagte Gelegenheitsanfälle. Derartige Gelegenheitsanfälle sind beispielsweise häufig Symptom von Fieber. Besonders Kleinkinder sind davon betroffen. Auch schwere Durchblutungsstörungen, Gehirnerschütterung, Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen können diese Krämpfe auslösen.

Welche Auslöser sind bekannt?

Die Ursache der Epilepsie ist sehr vielfältig und nicht immer genau erklärbar. Wodurch epileptische Anfälle erzeugt werden bleibt in manchen Fällen völlig im Dunklen. Dennoch lässt sich die Erkrankung auf einen Funktionsfehler des Hirns zurückführen. In diesem Fall wird von einer kryptogenen Epilepsie gesprochen. Schwieriger wird es, wenn epileptische Anfälle bei einem vermeintlich gesunden Patienten auftreten. Gibt es keine offensichtliche Ursache wie krankhafte Veränderungen im HIrn oder andere Stoffwechselstörungen, so bezeichnet man die Erkrankung als idiopathische Epilepsie oder genetische Epilepsie. Fehlen offensichtliche Ursachen vermutet man hinter der Erkrankung eine genetische Mutation. Bestimmte Rezeptoren für Nervenbotenstoffe können in ihrer Funktion beeinträchtigt sein und in regelmäßigen Abständen zur unkontrollierten Entladung führen.

Wenn das Hirn schon seit Geburt durch strukturelle Veränderungen betroffen ist oder eine Grunderkrankung vorliegt, spricht der Mediziner von einer strukturellen Epilepsie. Hierunter fallen beispielsweise Betroffene mit Fehlbildung des Hirns oder Patienten mit erworbenen Hirnschäden. Zu den häufigsten Auslösern einer Epilepsie gehören unter anderem Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder eine Schilddrüsenerkrankung, Entzündungen der Hirnhäute (Meningitis), Schlaganfälle, Hirntumore oder Schädel-Hirn-Traumata.

Durch welche typischen Symptome äußert sich die Epilepsie?

Es gibt unterschiedliche Formen der Epilepsie, die sich stark voneinander unterscheiden. So unterscheidet sich auch die Intensität und Dauer der epileptischen Anfälle. Von dem Vernehmen bestimmter Düfte, bis hin zur kompletten Bewusstlosigkeit, kann ein epileptischer Anfall unterschiedliche Ausmaße annehmen.

Kleine Anfälle

Ein kleiner Anfall definiert sich zwar durch eine kleine Bewusstseinspause, jedoch führt dieser nicht direkt zum kompletten Kollaps. Bei Kindern äußert sich ein solcher Anfall oft durch eine Unterbrechung der aktuellen Tätigkeit und zielloses “Dahinstarren“. Oft erinnern sich Betroffene nicht an diesen Moment – es scheinen sich kleinere Gedächtnislücken zu bilden. Gerade im Kindesalter werden derartige Anfälle nicht selten als Tagträumerei fehlinterpretiert. Im späteren Verlauf treten spezifische körperliche Bewegungen, wie plötzliche Bein- oder Armbewegungen hinzu, die der Betroffene automatisiert und unbewusst ausführt.

Rolando-Epilepsie

Von dieser Art der Epilepsie sind vorwiegend Kinder im Schulalter bis hin zur Pubertät betroffen. Die Symptome treten überwiegend in der Nacht auf und äußern sich durch Schwierigkeiten beim Sprechen und Gesichtszuckungen. Oft geht eine solche Epilepsie mit dem Hang zum Schlafwandeln einher.

West-Syndrom

Eine solche Epilepsie macht sich im Säuglingsalter fest. Im Alter von zwei bis drei Monaten zucken Säuglinge spontan zusammen. Die Arme führen sie dabei nach vorne, der Kopf wird an die Brust gepresst. Derartige Anfälle sind kaum zu behandeln und treten überwiegend vor dem Einschlafen auf.

Fieberkrämpfe

Der Fieberkrampf ist nicht als Epilepsie, sondern als Gelgenheitskrampf zu werten. Typisch ist ein solcher Anfall im Kindesalter in Verbindung eines Infekts oder eine Fiebererkrankung. Betroffene verlieren dabei bis zu zehn Minuten das Gedächtnis und versteifen ihre gesamte Muskulatur. Andere Betroffene verfallen in Zuckungen, die einem epileptischen Anfall ähneln. Kinder mit einem zerebralen Anfall erkranken im Verlaufe ihres Lebens nicht zwingend häufiger an einer Epilepsie, als Kinder ohne eine derartige Erfahrung.

Status Epilepticus

Wenn ein Anfall länger als zehn Minuten andauert, wird von einem Status Epilepticus gesprochen. Dieser äußert sich durch mehrere epileptische Anfälle in Folge, ohne dem Betroffenen die Möglichkeit zur Erholung zu gewähren. Eine solcher Anfall ist lebensbedrohlich. Eine sofortige Verständigung des Notarztes ist unerlässlich.

Große Anfälle

Der große Anfall ist das Paradebeispiel der Epilepsie. Betroffene werden plötzlich bewusstlos, fallen zu Boden oder sacken in sich zusammen und beginnen zu zucken. Oft wird von einer unregelmäßigen Atmung berichtet. Anfälle dieser Art dauern mitunter mehrere Minuten. Da ein solcher Anfall für den Körper eine große Belastung darstellt, fallen Betroffene nicht selten im Anschluss darauf in einen tiefen Schlaf. Während des Anfalls können die Betroffenen durch die entstandene Spannung Urin ablassen. In der Regel sehen Anfälle dieser Art zwar bedrohlich aus, lebensgefährlich sind sie jedoch nicht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen Patienten offen?

Die Behandlung einer Epilepsie erfolgt entweder über eine medikamentöse Behandlung oder über einen operativen Eingriff. Betroffene können auch auf spezielle Stimulationsverfahren zurückgreifen, um die Symptome der Epilepsie nachhaltig zu vermindern.

Medikamentöse Behandlung

Durch Antiepileptika können die meisten Betroffenen ein normales Alltagsleben führen. Derartige Medikamente helfen, übermäßige Reize der Neuronen zu schmälern und eine Abgabe unkontrollierter Impulse zu verhindern. Das Risiko eines Krampfanfalles wird durch eine Einnahme gemindert. Die Ursache der Epilepsie bleibt jedoch nach wie vor vorhanden. Das bedeutet im Klartext: Die Epilepsie bleibt auch durch eine Einnahme der Medikamente vorhanden, da nur Symptome bekämpft werden. Bekannte Wirkstoffe gegen Epilepsie sind heutzutage Valproinsäure oder Levetiracetam. Welcher Wirkstoff sich als wirksam erweist, hängt von der Form der vorhandenen Epilepsie ab. Grundsätzlich gilt: Je stärker die zu bekämpfende Epilepsie ist, desto höher erfolgt eine Dosierung und desto stärker fallen auch vorhandene Nebenwirkungen aus.

Operative Behandlung

Einige Patienten erfahren durch die Einnahme von Medikamenten nur eine bedingte Linderung. Sollten epileptische Anfälle nur durch eine bestimmte lokale Hirnregion ausgelöst werden, spricht man von fokalen Anfällen. Dieser abgegrenzte Teil des Hirns kann durch eine Operation entfernt werden. Ein erfolgreicher Eingriff lindert nicht nur Symptome, sondern verhindert zukünftige epileptische Anfälle. Bevor eine solche Operation allerdings in Betracht gezogen wird, erörtert der Arzt eventuelle Folgeschäden. Auch die Relevanz des zu entfernenden Hirnareals ist dabei zu beachten.

Das Stimulationsverfahren

Neben einer medikamentösen oder operativen Möglichkeit, steht Betroffenen auch das Stimulationsverfahren zur Verfügung. Der Arzt stimuliert während dieser Behandlung spezielle HIrnareale mit einer niedrigen Stromspannung. Bestimmte Arten von Epilepsie lassen sich dadurch stark vermindern. Das bekannteste Stimulationsverfahren ist die Vagusnervstimulation. Dem Patienten wird ein winziges, elektrisches Bauteil unter das linke Schlüsselbein implantiert. Dieser “Schrittmacher“ speist kleine Stromschläge in einem bestimmten Intervall in den Vagusnerv am Hals. Diese Stimulation kann die Häufigkeit von epileptischen Anfällen drastisch reduzieren oder ganz vermindern.

Lässt sich Epilepsie heilen – Der heutige Stand der Dinge

Medikamente, die gegen die Epilepsie eingesetzt werden, nennt man Antiepileptika. Das Zeil einer Einnahme ist jedoch weniger die Bekämpfung der Ursache, als die Bekämpfung der Symptome. Krampfanfälle sollen gezielt verhindert werden, indem eine gewisse Reizschwelle für das Gehirn höher gesetzt wird. Antiepileptika sind daher im Grunde genommen Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle). Eine komplette Heilung der Epilepsie ist leider nicht Ziel einer medikamentösen Therapie. Eine heilende Wirkung bleibt aus. An Epilepsie erkrankte Patienten müssen oft bis an ihr Lebensende Medikamente zu sich nehmen.

Von sich aus verschwinden die Symptome einer Epilepsie nur sehr selten. Durch diverse Operationen lassen sich die Ursachen gezielt bekämpfen. Eine Epilepsie kann durch derartige Operationen zwar oftmals gelindert werden, eine vollständige Heilung ist dennoch ein medizinisches Wunder. Selbst wenn die Epilepsie für einen kurzen Zeitraum als scheinbar geheilt angesehen wird, kann die Erkrankung im späteren Verlauf zurückkommen. Ein Absetzen der Medikamente ist demnach eher abzuraten, eine Einnahme der Medikamente und der Kampf gegen die Epilepsie erfolgt in der Regel ein Leben lang.

Beitragsbild © geralt / Pixabay
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