Offener Brief an meine Onkologen: Ich wünsche mir eine bessere Lebensqualität

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Ich hatte gerade meinen 57. Geburtstag hinter mir, als ich beim Duschen eine leichte Verhärtung in meiner linken Brust bemerkte. Zunächst verdrängte ich die Veränderung. Als mir der Knoten in den folgenden Wochen aber immer wieder auffiel, fragte ich meine Frauenärztin. Und tatsächlich erhielt ich nach gründlichen Untersuchungen die Diagnose, vor der ich mich gefürchtet hatte: Brustkrebs.

Zuerst einmal warf mich die Diagnose – oder wie ich es empfand das Urteil – völlig aus der Bahn. Ängste ergriffen mich und mich beschäftigten viele Fragen: Wie lange werde ich noch leben? Kann ich geheilt werden? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Was kann ich darüber hinaus für mich tun? Wie soll ich mein Leben weiterführen? Ich zog mich zurück und kapselte mich von meiner Umwelt ab, da ich befürchtete, dass sich mein Leben radikal ändern könnte. Zunächst musste ich die allgemeine Klinikroutine durchstehen mit einer Vielzahl an Blutuntersuchungen, Röntgenbildern und schließlich einer brusterhaltenden Operation. Und dann bekam ich eine Strahlentherapie und anschließend auch noch eine Chemotherapie. In dieser Zeit fühlte ich mich wie in einer riesigen Apparatur gefangen, wie ein Rädchen, das keine Wahl hatte, das einfach zu funktionieren hatte. Alle Anstrengungen richteten sich nur gegen die Krebszellen. Aber wo blieb ich? Gerade jetzt hätte ich menschliche Wärme so dringend benötigt, aber in dem Klinikalltag ging das völlig unter. Auch meine Familie schien mir nicht die Kraft zu geben, die Nähe und das Verständnis zu vermitteln, die ich benötigte.

Ich wusste sehr wohl, dass bei mir eine Strahlen- und Chemotherapie nach der Brust-Operation notwendig ist, um eventuell verbliebene Krebszellen abzutöten, und so stimmte ich diesen Therapien zu. Gleichzeitig fürchtete ich mich aber auch vor den Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Müdigkeit und Schlafstörungen. Eine Freundin, die auch schon eine Krebsoperation mit einer Chemotherapie hinter sich hatte, berichtete mir von ihren Erfahrungen mit der Misteltherapie. Sie erzählte mir, dass sich dadurch ihre Lebensqualität bereits während ihrer Chemotherapie deutlich verbessert habe und sie viel weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu Patientinnen gehabt hätte, die keine Misteltherapie erhielten. Also habe ich mich nach Gesprächen mit meiner behandelnden Ärztin ebenfalls für eine Misteltherapie entschieden.

Und tatsächlich: schon bald hatte ich das Gefühl, in meinem Körper wäre etwas in Gang gesetzt worden. Bereits nach einigen Injektionen habe ich gespürt, dass ich nicht mehr fror und sich ein angenehmes Gefühl der Durchwärmung ausbreitete. Schritt für Schritt fühlte ich mich besser, aktiver, insbesondere, weil diese lähmende Erschöpfung, die nach der Chemotherapie begonnen hatte, immer mehr nachließ. Auch hatte ich wieder einen besseren Appetit, konnte häufiger durchschlafen und meine Stimmung war auch viel besser. Was ich an der Misteltherapie besonders schätzte, war die Möglichkeit, selbst etwas gegen meine Krebserkrankung zu tun. Ich wurde schnell damit vertraut, mir das Medikament Iscador als subkutane Injektionen selber zu spritzen. Meine Ärztin hat mir versichert, dass sich die Misteltherapie gut mit anderen Therapien verträgt.

Meine Familie bemerkte auch, dass ich wieder viel besser im Leben stand und ich wieder frischer aussah. Eine bessere Lebensqualität und das Gefühl menschlicher Wärme durch Familie und Freunde helfen mir heute auf meinem Lebensweg. Ich wünsche mir, dass immer mehr Ärzte ihre Krebspatienten unterstützen, in dem sie auch vermehrt auf die Lebensqualität ihrer Patienten achten und nicht nur etwas gegen den Krebs tun, sondern auch die Selbstheilungskräfte unterstützen. Und vor allem wünsche ich mir, als Mensch wahrgenommen zu werden und nicht nur als kranker Patient.

Ihre Gerda S.

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Beitragsbild © Iscador
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