Mistelextrakt – Wertvolle Unterstützung moderner Tumortherapie

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Als Ergänzung zur Schulmedizin gewinnt die sog. Komplementärmedizin immer mehr an Bedeutung. Dazu gehört u. a. auch die Misteltherapie, die heute ihren festen Platz in der begleitenden Therapie von Tumorpatienten hat. Dr. med. Stephanie Born wendet sie z. B. in der integrativen Krebsbehandlung bei Brustkrebs an. Dr. Born ist Oberärztin im Fachbereich Komplementärmedizin, Anthroposophische Medizin und Palliativmedizin in der Klinik für Innere Medizin III des Klinikum Südstadt in Rostock.

Dr. Stephanie Born, Oberärztin im Fachbereich KomplementärmedizinFrau Dr. Born, Sie praktizieren ein sogenanntes Integratives Behandlungskonzept. Was versteht man darunter?

Seit 2014 gibt es am Klinikum Südstadt die Möglichkeit der integrativen Onkologie auch im stationären Bereich, bei der anthroposophisch-naturheilkundliche Behandlungen als Unterstützung zur konventionellen Krebstherapie angeboten werden. In der anthroposophischen Medizin nach Rudolf Steiner geht es um die ganzheitliche Behandlung der Krebspatienten, welche 4 Ebenen – das Physisch-Körperliche, die Lebenskräfte-Organisation, das Seelische und das Geistige -umfassen. Die komplementären Therapien sind begleitende Behandlungen zu bewährten schulmedizinischen Methoden gegen Krebs. Es ist keine alternative Medizin. Es geht immer darum, Körper, Geist und Seele als Einheit zu betrachten. Das Ziel ist die Linderung von Nebenwirkungen hervorgerufen durch die onkologische Behandlung sowie die Linderung von Symptomen, die durch den Tumor verursacht werden. Es geht um die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Durch die Kombination der Schulmedizin mit der Naturheilkunde wird der Patient in seiner Gesamtheit betrachtet.

Welche Methoden gehören dazu und welche Ziele sollen damit erreicht werden?

Auf der onkologischen Station im Klinikum Südstadt wird eine Vielzahl naturheilkundlicher Therapieangebote angeboten. Dieses Angebot wird gewährleistet durch die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team bestehend aus Krankenschwestern und -pflegern, Heilpraktikerin, Physio-und Ergotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern, Musik- und Kunsttherapeuten. Dazu gehören beispielsweise immunstimulierende Infusionen, Akupunktur, rhythmische sowie klassische Massagen, Brust,- Bauch- und Nierenwickel, Bienenwachsauflagen, Aromatherapie, Ölkompressen, Psychotherapie und Bewegungstherapie. Neu am Klinikum Südstadt ist eine erweiterte Form der Nachbetreuung bei onkologischen Patienten, das die DAK-Krankenkasse ihren versicherten Patienten seit kurzem am Klinikum Südstadt zur Verfügung stellt. Bisher haben über 100 Patienten dieses Angebot genutzt. Wir bieten den Patienten an, an einem Nachmittag in kleinen Gruppen von 10 bis 12 Teilnehmern/innen im Rahmen von 3 Stunden Kenntnisse und Techniken zu erlernen, die ihre Alltags- und Lebenssituation mit der Krebserkrankung verbessern helfen. Das Ziel ist, größte Sicherheit im Umgang mit der Krebserkrankung zu erlangen. Unser Angebot umfasst Beratung zu medizinischen und ernährungsrelevanten Fragen, Hilfe bei der Überwindung psychischer Probleme und Krisen, beim Umgang mit Ängsten, bewegungs-therapeutischen Übungen, Kunst- und Musiktherapie sowie Schulungen zu Wickeln und Auflagen bei Luftnot, Schlafstörungen, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Dieses Angebot der Nachbetreuung ist bislang einzigartig in Deutschland.

Beim Stichwort Mistel denkt man zuerst an den Zaubertrank der Druiden wie bei Asterix und Obelix. Welche speziellen Vorzüge bietet eine Misteltherapie heute in der modernen Medizin und welche Punkte sind dabei besonders zu beachten?

Mistel wird seit über 100 Jahren zur Behandlung von Tumoren eingesetzt. Rudolf Steiner – der Begründer der Anthroposophie- hat gemeinsam mit der niederländischen Ärztin Ita Wegmann die Mistel als Injektionspräparat zur Krebsbehandlung entwickelt. Dabei wird der Pflanzenextrakt aus Sommer- und Winterernte in einem aufwendigen Herstellungsprozeß extrahiert. So vielschichtig wie die einzelnen Komponenten der Mistelpflanze ist auch die Wirkungsweise. Die Misteltherapie verbessert u.a. das Allgemeinbefinden (Appetit- und Gewichtszunahme, Normalisierung von Schlaf, Wärmeempfinden und Leistungsfähigkeit), verbessert die psychische Befindlichkeit (Stimmungslage, Lebensmut, Initiativfähigkeit), kann tumorbedingte Schmerzen lindern sowie immunstimulierend und auch -modulierend wirken. Die Mistel kann auch lebensverlängernd wirken. Besonders interessant sind die Ergebnisse einer im Januar 2020 veröffentlichten Metaanalyse von T. Ostermann, in der signifikant eine Verlängerung der Überlebenszeit nachgewiesen konnte bei Patienten, die eine Mistelbehandlung durchführten.

Können Sie uns ein Beispiel nennen, wie Patienten von einer Misteltherapie profitieren?

Sehr gerne setze ich die Mistel begleitend zur konventionellen onkologischen Therapie, z.B. Chemotherapie und Bestrahlung, ein. Insbesondere wenn die Patienten unter den Nebenwirkungen leiden und ein Erschöpfungssyndrom ausgebildet haben, ist die Wirkung der Mistel sehr eindrücklich sichtbar. Die Patienten vertragen die konventionelle Therapie besser, die Müdigkeit und Erschöpfung verbessern sich, die Patienten berichten über Zunahme von Appetit und Leistungsfähigkeit und Verbesserung der Schlafqualität. Viele Krebspatienten profitieren auch von der inneren Durchwärmung, die eine Misteltherapie hervorruft. Aus anthroposophischer Sicht ist die Wärme die wichtigste natürliche Kraft, die der menschliche Organismus einer Tumorerkrankung entgegenzusetzen hat.

Gibt es je nach Krebsart Unterschiede beim Einsatz von Mistelpräparaten auf die Therapie?

Ja, durchaus. Es gibt insgesamt 13 verschiedene Wirtsbäume, die in der Misteltherapie eingesetzt werden. Entsprechend vielfältig ist der Wirkeinsatz. Grundsätzlich orientiert man sich an der Lokalisation des Tumors und am Performance-Status des Patienten. Misteln wachsen ja auf verschiedenen Bäumen.

Gibt es dadurch auch verschiedene Wirkungen?

Der Wirkmechanismus der Mistel ist grundsätzlich ähnlich. In Anlehnung an das anthroposophische Menschenbild wirkt die Mistel auf 4 Ebenen:
Auf physischer Ebene kann die Mistel die Überlebenszeit verlängern, eine leichte lokale Entzündungsreaktion sowie Temperaturreaktion hervorrufen, den immunologischen Status verbessern, Nebenwirkungen konventioneller Therapien sowie Schmerzen lindern. Auf psychischer Ebene wird die Grundstimmung aufgehellt durch die Bildung von Endorphinen und insgesamt das Allgemeinbefinden verbessert. Im sozialen Bereich erkennt man die Mistelwirkung an Verbesserung der Lebensqualität, verbesserter sozialer Integration sowie mehr Interesse an der Umwelt. Spirituell / geistig steigert die Misteltherapie das Interesse und spendet Hoffnung und Zuversicht.

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Fotos: Mistel © Shutterstock, Porträt © privat
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