Meilensteine in der Krebsmedizin

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„Wir haben bei der Behandlung von Hautkrebs enorme Fortschritte gemacht.“

Seit Jahren schon mehren sich Erfolgsmeldungen im Bereich der Krebsmedizin. Vor allem durch neue Therapieverfahren haben sich die Überlebenschancen und auch die Heilungsmöglichkeiten bei verschiedenen Tumoren deutlich gebessert. Ein Beispiel ist der schwarze Hautkrebs, das sogenannte maligne Melanom.

„Wir haben neue Therapieverfahren an die Hand bekommen, die die Prognose der Patienten eindeutig bessern. Das ist aus meiner persönlicher Sicht ein Meilenstein in der Krebsbehandlung“, erklärt Professor Dr. Ralf Gutzmer, Leiter des Haut-Tumor-Zentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Hintergründe erläutert er in einem Interview.

Prof. Ralf Gutzmer (Foto: © Prof. Gutzmer)

Herr Professor Gutzmer, warum ist die moderne Therapie des malignen Melanoms als Meilenstein in der Krebsmedizin zu sehen?

Prof. Gutzmer: Jahrzehntelang hat es keine Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten beim  malignen Melanom gegeben, wenn der Tumor bei der Diagnosestellung schon fortgeschritten war. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Denn wir haben mit der Option der zielgerichteten Therapie bei bestimmten Tumorformen und mit der Krebsimmuntherapie fast gleichzeitig zwei neue Therapieoptionen erhalten. Sie verbessern die Behandlungsoptionen der betroffenen Patienten erheblich.

Was war die Basis für den Durchbruch bei der Therapie?

Prof. Gutzmer: Dank intensiver Forschungstätigkeiten verstehen wir die Hintergründe der Tumorentstehung besser. Wir haben gelernt zu begreifen, wie der Tumor sich bildet, welche Fehlregulation dabei eine Rolle spielt, wie die Signalwege verändert sind und wie das Tumorwachstum vorangetrieben wird. Analog zu den neuen Erkenntnissen wurden in den pharmazeutischen Labors neue Wirkstoffe entwickelt, die diese Prozesse modulieren. Dabei wurden zwei Strategien verfolgt: Mit der zielgerichteten Therapie versuchen wir, gezielt korrigierend in die veränderten Signalwege einzugreifen und so das Tumorwachstum zu hemmen. Bei der Krebsimmuntherapie wird hingegen angestrebt, das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs zu stärken. Beide Strategien haben sich beim schwarzen Hautkrebs als sehr wirkungsvoll erwiesen.

Funktioniert das auch bei anderen Tumoren?

Prof. Gutzmer: Ja, wir haben bei vielen Tumoren mit der zielgerichteten Therapie enorme Fortschritte erwirken können und eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich aktuell mit der Krebsimmuntherapie ab. Beim malignen Melanom sind die Fortschritte besonderes groß und daher für mich eine Art persönlicher Meilenstein in der Krebsmedizin. Warum dem malignen Melanom quasi die Rolle eines Modelltumors in dieser Hinsicht zukommt, wissen wir noch nicht genau.

Was bedeutet der Therapiefortschritt konkret für die Patienten?

Prof. Gutzmer: Ganz genau können wir das noch nicht sagen, weil die neuen Therapieoptionen ja erst wenige Jahre zur Anwendung kommen. Es ist allerdings schon sehr klar zu sehen, dass sich bei zehn bis 20 Prozent der Patienten eine vollständige Rückbildung des Tumors erwirken lässt. Wir bezeichnen solche Reaktionen, die wir früher nahezu nie gesehen haben, als eine komplette Remission. Inzwischen wissen wir, dass diese kompletten Remissionen bei vielen Patienten für Jahre anhaltend sind. Ob dies einer definitiven Heilung gleichkommt, kann man noch nicht abschließend sagen, es ist jedoch durchaus möglich. Von einer solchen Entwicklung haben wir vor wenigen Jahren noch kaum zu träumen gewagt.

Was glauben Sie, wie sich die Situation weiterentwickeln wird?

Prof. Gutzmer: Ich bin davon überzeugt, dass wir weitere Fortschritte bei der Behandlung des malignen Melanoms machen werden. Das ergibt sich schon aus der Tatsache, dass wir verschiedene Wirkstoffe aus dem Bereich der zielgerichteten Therapie und auch aus der Krebsimmuntherapie zur Verfügung haben. Damit stehen uns im individuellen Fall viele Behandlungsmöglichkeiten offen. Wir werden lernen, die verfügbaren Medikamente in Kombination oder sequenziell noch effektiver als bisher einzusetzen und damit die Heilungschancen der Patienten weiter zu verbessern.

Herr Professor Dr. Gutzmer, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

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Foto Steine © Galushko Sergey / Shutterstock
Foto Prof. Ralf Gutzmer © Prof. Gutzmer
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