Krebsimmuntherapie: Eine innovative Behandlungsstrategie setzt sich durch

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Schon lange strebten Wissenschaftler nach der großen Vision, das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs einzusetzen. Denn unser Immunsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Tumorabwehr.

So ist es in der Lage, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Doch lange Zeit war die Forschung hierzu wenig erfolgreich: Denn das Immunsystem aus aktivierenden und hemmenden Mechanismen ist ungemein komplex. Zudem weiß man heute, dass Tumore in der Lage sind, der Zerstörung durch das Immunsystem durch ganz unterschiedliche Strategien zu entgehen.

Erst eine kleine, fast zufällige Entdeckung brachte die Wissenschaft vor rund 30 Jahren auf die richtige Spur.

Wie Krebszellen das Immunsystem „ausbremsen“

Während seiner Forschung an der T-Zelle, einer Zelle des Immunsystems, die bei der Krebsabwehr eine wichtige Rolle einnimmt, machte der US-Wissenschaftler Professor Dr. James Allison von der Universität Texas in den 90er Jahren eine grundlegende Entdeckung: Die Aktivierung eines bestimmten Moleküls – CTLA-4 – auf der Oberfläche der T-Zelle bewirkt, dass diese inaktiviert wird. Krebszellen nutzen gezielt diesen Brems-Mechanismus, um der Zerstörung durch das Immunsystem zu entgehen.

Diese Bremse zu lockern und das Immunsystem dadurch wieder in die Lage zu versetzen, Krebszellen zu bekämpfen, weckte seinen Forschergeist. Er setzte große Bemühungen in die Fortführung der Forschung und Entwicklung von Krebsmedikamenten auf Basis dieses Mechanismus.

Nahezu zeitgleich erforschte der japanische Wissenschaftler Professor Dr. Tasuku Honjo von der Universität Kyoto ein weiteres Molekül – PD-1 – welches eine ähnlich aktivierende oder auch hemmende Wirkung auf das Immunsystem hat. Krebszellen, die einen entsprechenden Gegenspieler auf ihrer Oberfläche aufweisen, werden für das Immunsystem unsichtbar und folglich nicht zerstört. Der Forscher erkannte ebenfalls das Potential seiner Entdeckung für die Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen.

Die Ansätze der Wissenschaftler sollten nur zwei Jahrzehnte später die Krebstherapie revolutionieren und um eine fünfte Säule erweitern. Erstmals seit Jahrzehnten gibt es in der Behandlung vieler Krebserkrankungen Therapiedurchbrüche, Langzeitüberleben wird möglich und die Forschung schreitet in großen Schritten weiterhin voran. Für ihre bahnbrechenden Forschungsarbeiten, die diesen innovativen Ansatz in der Krebsmedizin ermöglicht haben, wurden die beiden Immunforscher im vergangenen Jahr mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

Quo vadis, Krebsimmuntherapie?

Die Krebsimmuntherapie ist bereits heute fester Bestandteil in der Behandlung vieler Krebserkrankungen. Aktuell zugelassen ist sie bei verschiedenen Tumorformen wie beispielsweise dem Lungenkrebs. Und ihr Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Intensiv wird derzeit daran gearbeitet, die Krebsimmuntherapie weiterzuentwickeln, sodass noch mehr Patienten von ihr profitieren können.

Bislang sprechen einige Patienten sehr gut und sehr lange auf das Verfahren an, bei anderen bleibt dagegen die erwünschte Wirkung aus. Über die Ursache können Experten und Forscher bislang nur mutmaßen. Eine Theorie besteht darin, dass Tumore auf unterschiedliche Weise mit dem Immunsystem interagieren und je nachdem auf welche Weise sie das tun, umso wirksamer oder weniger wirksam sind die Krebsimmuntherapien.

Der Krebs-Immunzell-Zyklus - Grafik

Auf dem Weg zu einer personalisierten Krebs(immun)therapie

Das Augenmerk der Forscher richtet sich daher nun stärker darauf, die Behandlung an die Interaktion des Immunsystems mit dem Tumor anzupassen und damit den Patienten immer individueller behandeln zu können. Die größten Erfolgschancen werden dabei in der Kombination mehrerer Wirkprinzipien mit der Krebsimmuntherapie gesehen. Ähnlich wie bei einem Puzzle greifen die Wirkmechanismen verschiedener Substanzen ineinander und machen die Krebsimmuntherapie noch wirksamer. Um die unterschiedlichen Wirkstoffe bereits in der frühen Entwicklung in Kombination mit anderen Substanzen zu testen, nutzt Roche seine Expertise und breite Aufstellung in der Onkologie. So erforscht Roche aktuell allein in der Krebsimmuntherapie mehr als 50 unterschiedliche Therapiekombinationen. Das Ziel: Mit der heutigen Forschung und Entwicklung die Behandlungsstrategien von morgen zu gestalten und dazu beizutragen, dass künftig jeder Patient in seiner individuellen Situation die für ihn bestmögliche Therapie erhält.

Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen

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Beitragsbild und Grafik © Roche
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