Krebsimmuntherapie – 10 Fragen – 10 Antworten

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Das Immunsystem umfasst eine Vielzahl von Organen, Geweben und Zelltypen. Es hat die Aufgabe, alles abzuwehren, was dem Körper schaden kann – unter anderem Krankheitserreger und bösartig veränderte Zellen.

Die Krebsimmuntherapie stellt eine innovative Behandlungsform dar, die derzeit u.a. bei Lungen- und Blasenkrebs angewendet wird. Doch wie wird das neue Verfahren, mit dem das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs unterstützt werden kann, im klinischen Alltag angewandt? Und was ist bei der Behandlung zu beachten?

1. Wie wirkt die Krebsimmuntherapie?

Eine Krebsimmuntherapie unterstützt das körpereigene Immunsystem darin, Krebs­zellen zu erkennen und zu bekämpfen. Sie wirkt somit anders als beispielsweise eine Chemotherapie. Im Gegensatz zu dieser greift sie den Tumor nicht direkt an, sondern aktiviert das Immunsystem im Kampf gegen Krebs.

2. Warum ist es sinnvoll, das Immunsystem zu nutzen?

Teile unseres Immunsystems, sogenannte T-Zellen, sind grundsätzlich in der Lage, Krebszellen aufzuspüren und gezielt zu zerstören. Allerdings können Krebszellen das Immunsystem täuschen, indem sie sich tarnen, und so der Zerstörung entgehen.

3. Wie bremsen Krebszellen das Immunsystem?

Um sich vor T-Zellen zu schützen, produzieren Krebszellen das Protein PD-L1. Dieses wird auch als „Ligand“ bezeichnet. Das Protein bindet an ein passendes Gegenstück auf der T-Zelle, den sogenannten Rezeptor. Er passt zu ihm wie ein Schlüssel zum Schloss. Diese Verbindung wirkt wie eine Fessel und macht die T-Zelle kampfunfähig. Der Angriff des Immunsystems auf die Krebszelle wird gestoppt.

4. Wie wird eine Krebsimmuntherapie verabreicht?

Eine Krebsimmuntherapie wird als Infusion verabreicht. Dies geschieht in der Regel ambulant, also ohne Klinikaufenthalt.

5. Wie oft wird behandelt und wie lange dauert die Infusion?

Die Infusion dauert pro Sitzung in der Regel 30 bis 90 Minuten. Je nach Wirkstoff wird sie alle zwei bis drei Wochen verabreicht. Für Warte- und Besprechungszeiten sollte etwas mehr Zeit eingeplant werden als die reine Behandlungsdauer.

6. Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt es?

Die Krebsimmuntherapie wirkt gezielt auf das Immunsystem. Bisher wurden kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beobachtet, da es sich um eine neue Therapieform handelt und noch wenige Erfahrungen vorliegen. Dennoch sollte der Arzt darüber informiert werden, welche Medikamente aktuell eingenommen werden oder in letzter Zeit eingenommen wurden.

7. Welche möglichen Vorerkrankungen spielen eine Rolle?

Vor dem Beginn einer Krebsimmuntherapie sollten Patienten ihren Arzt generell über ihre Krankengeschichte informieren. Zu nennen sind besonders Vorerkrankungen wie Hepatitis, HIV, Morbus Crohn, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder andere Autoimmunerkrankungen.

8. Wann kommt eine Krebsimmuntherapie infrage?

Eine Krebsimmuntherapie ist bisher nur in fortgeschrittenen Stadien verschiedener Krebserkrankungen zugelassen. Sie kommt in Betracht, wenn sich zum Beispiel Metastasen gebildet haben und/oder wenn eine Operation nicht mehr möglich ist. Weitere klinische Studien laufen.

9. Wie unterscheiden sich Krebsimmunpräparate?

Alle Krebsimmuntherapien verfolgen das gleiche Ziel: Sie helfen dem Immunsystem, den Tumor zu erkennen und/oder zu zerstören. Die Krebsimmuntherapien unterscheiden sich jedoch in ihrer Wirkweise. Beispiele hierfür sind die PD-1- und PD-L1-Blockade. Sie greifen an unterschiedlichen Stellen des Immunsystems ein und unterbinden den Kontakt zwischen Krebszelle und T-Zelle.

10. Welche Nebenwirkungen sind möglich und was ist besonders zu beachten?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Folge eines zu stark aktivierten Immunsystems. Diese sogenannten Autoimmunreaktionen äußern sich zum Beispiel in Fieber, Müdigkeit, Hautausschlägen und Entzündungen in verschiedenen Organen wie Leber, Lunge oder Darm. Darüber wird der Arzt aufklären. Davon abgesehen ist es wichtig, bei Veränderungen des Allgemeinbefindens während der Therapie zeitnah Kontakt mit dem Behandlungsteam aufzunehmen. Möglicherweise sind zur Linderung der Beschwerden verschreibungspflichtige Medikamente nötig.

Krebsimmuntherapie – 10 Fragen – 10 Antworten
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Weitere Informationen

Weiterführende Informationen zur Krebsimmuntherapie sowie zu den Tumorarten, bei denen das Verfahren bereits eingesetzt wird, bieten die Webseite www.wissen-immuntherapie.de sowie die Broschüren „Immunsystem Kompakt“ (Bestellnummer: 1709/22005194) und „Krebsimmuntherapie Kompakt“ (Bestellnummer: 1709/22005193) aus der Reihe „Krebs und Immuntherapie“.

Diese können kostenfrei angefordert werden bei der Roche Pharma AG, Tel.: 07624-14-2255, E-Mail: grenzach.kundenberatung@roche.com. Sie können alternativ auch direkt von der Webseite heruntergeladen werden.

Beitragsbild: Glaskolben und Grafiken Krebszyklus © Roche
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