Bauchspeicheldrüsenkrebs: Neue Wege mit Nanopartikeln

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Die erste innovative Therapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs seit Jahren sorgt für einen Lichtblick bei der Behandlung der meist tödlich verlaufenden Krankheit.

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs, das sog. Pankreaskarzinom, ist die Krebserkrankung mit der schlechtesten Prognose und einem 5-Jahres-Gesamtüberleben von weniger als 5%. Nach wie vor ist die operative Entfernung des Tumors die einzige kurative Therapie, wobei die Rückfallrate auch in diesem Fall hoch bleibt und das 5-Jahres-Überleben mit einer begleitenden Chemotherapie mit 21% noch immer zu gering ausfällt. In der systemischen Therapie des Pankreaskarzinoms waren die echten Erfolgsmeldungen in der Vergangenheit rar.

Es ist äußerst wichtig, Bauchspeicheldrüsenkrebs möglichst früh zu erkennen. Gelingt dies, sind die Heilungschancen und somit die Überlebensrate deutlich verbessert. Das Tückische an der Erkrankung ist nämlich, dass sie sich – wenn überhaupt – erst sehr spät durch unspezifische Beschwerden bemerkbar macht. Die Symptome treten in der Regel erst auf, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist und sich bereits ausgebreitet hat. Die meisten Betroffenen klagen über eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Appetit- und Gewichtsverlust sowie uncharakteristische Schmerzen im Oberbauch. Durch die Nähe des Pankreaskopfs zur Galle kann ein Tumor dort zu einer Störung des Galleabflusses und damit zu einer Gelbsucht führen.

Mit Nanopartikeln Pankreaskrebs attackieren

In den vergangenen Jahrzehnten wurden kaum Fortschritte dabei erzielt, die Aussichten für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verbessern. Seit fast sieben Jahren sind keine Medikamente mehr für Bauchspeicheldrüsenkrebs zugelassen worden.
Einen innovativen Schritt in der modernen Chemotherapie bringt nun die sog. nabTM-Technologie. Dabei werden Arzneistoffe an Nanopartikel gebunden, die als winzig kleine Trägersysteme wie fleißige Ameisen den Wirkstoff zielgerichtet in den Tumor transportieren, sich dort anreichern und erst dort den Wirkstoff freisetzen. So funktioniert auch das Zytostatikum nab-Paclitaxel, bei dem der bewährte krebshemmende Wirkstoff Paclitaxel in Nanopartikel eingekapselt ist, welche an das Eiweiß Albumin gebunden sind (nab = nanoparticle albumin-bound). Experten sprechen davon, dass die Partikel als „vergiftete Mahlzeit“ den erhöhten Nährstoffbedarf des Tumors decken.

Studienergebnisse zur Pankreaskrebs-Therapie

Im Vergleich mit anderen konventionellen Taxanen zeigt der an Nanopartikel gebundene Wirkstoff ein deutlich günstigeres Nutzen-Risiko-Profil. Zusätzliche Medikamente zur Verhinderung von Überempfindlichkeitsreaktionen werden nicht benötigt, da keine Lösungsmittel eingesetzt werden müssen. Gleichzeitig kann der Wirkstoff höher dosiert werden. Auch die höhere Wirksamkeit bei gleichzeitig größerer Sicherheit führte zur Zulassung des gebundenen Wirkstoffes zur Therapie des Pankreas-Karzinoms, die für herkömmliche Taxane nicht besteht. Grundlage für die Zulassung waren die Ergebnissen der Metastatic-Pancreatic-Adenocarcinoma-Clinical-Trial-Studie (MPACT-Studie), die eine deutliche Verbesserung des Gesamtüberlebens verglichen mit Gemcitabin allein zeigte.

So wirkt nab-Paclitaxel

Typischerweise, so berichtet PD Dr.Helmut Oettle, sind die Tumorzellen beim Pankreaskarzinom von sehr viel Bindegewebe umgeben, was die Eindringen der Medikamente in die Tumorzellen erschwert. Durch Nab-Paclitaxel und einen aussichtsreichen Biomarker wird dies zumindest ein Stück weit aufgebrochen. Dieses Protein, SPARC genannt, ist für die üblichen Therapien ein ungünstiger prognostischer Marker.

Bei nab-Paclitaxel hingegen scheint es genau umgekehrt zu sein: Hier sind es Patienten mit hoher SPARC-Konzentration, die besonders von einer Therapie zu profitieren scheinen, was so interpretiert werden kann, dass nab-Paclitaxel zielgerichtetdie Barriere des Bindegewebes angreift. nab-Paclitaxel und SPARC sind ein also gutes Beispiel dafür, wie die Entwicklung neuer Therapien und die Entwicklung passender Biomarker Hand in Hand gehen und die Onkologie im Dienste des Patienten personalisieren.

Chance auf längeres Überleben

Bei den bisher so niedrigen Überlebensraten bei Pankreaskarzinom befanden sich die Patienten und ihre Familien in einer wirklich bedauernswerten Situation. Die Zulassung des nab-Paclitaxel „in Kombination mit Gemcitabin als Erstlinientherapie für erwachsene Patienten mit metastasierendem Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse oder metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs“, so der offizielle Zulassungstitel, gibt nun vielen Betroffenen neuen Lebensmut und Hoffnung. Denn nun konnte nachwiesen werden, dass die Hinzunahme von nab-Paclitaxel zu der herkömmlichen Behandlung mit Gemcitabin erhebliche Vorteile bei der Gesamtüberlebenszeit bietet, während die Nebenwirkungen kontrollierbar sind. Die MPACT-Studie erbrachte u. a. eine Reduktion des Sterberisikos um insgesamt 28 Prozent. Drei Prozent der Studienteilnehmer waren in dieser Kombination sogar noch nach 3,5 Jahren am Leben. Die neue Wirkstoffkombination aus nab-Paclitaxel und Gemcitabin stellt deshalb eine vielversprechende Option für ein Langzeitüberleben von Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom dar.

(Artikel basiert auf Kongressberichterstattung zum Deutschen Krebskongress 2014)

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