Barrierefrei Reisen mit MS

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Die Diagnose Multiple Sklerose ist für viele Betroffene zu Beginn ein großer Schock. Gefühle wie Unsicherheit und Zukunftsangst gewinnen oft die Überhand. Für die Erkrankten ist vor allem die Erhaltung der Lebensqualität meist ein wichtiger Punkt. Hierzu gehört natürlich auch die Möglichkeit auf Reisen zu gehen, neue Dinge zu erleben und unbekannte Orte zu entdecken. Auch mit einer MS-Erkrankung müssen Sie nicht auf das Reisen verzichten. Sie können entspannt Ihren Urlaub genießen, wenn Sie im Vorfeld einige Dinge beachten.

Frühzeitig mit der Urlaubsplanung beginnen

Die Grundlage für eine sichere und eigenständige Mobilität während der Reise, ist die sorgfältige Planung. Dabei sollten Sie sich genügend Zeit nehmen und einige Dinge beachten. Soll es ein Ziel in der Nähe oder eine Fernreise sein? Wie sieht es mit Ihrem Versicherungsschutz in den entsprechenden Ländern aus? Was passiert während der Reise mit der Medikation und Therapie der MS? Welche Hilfsmittel werden auf der Reise benötigt? Wie sind die Bedingungen am gewünschten Urlaubsziel? Hier ist es am besten, Schritt für Schritt vorzugehen und die Punkte nacheinander abzuarbeiten.

Sicher ist sicher

Vor einer Reise ins Ausland ist es wichtig den Versicherungsstatus zu prüfen. Im europäischen Ausland greift bei medizinisch notwendigen Maßnahmen normalerweise die gesetzliche Krankenversicherung. Meist findet sich die European Health Insurance Card, die seit 2004 anstelle des Auslandskrankenscheins existiert, auf der Rückseite der Krankenversicherungskarte oder wird von der Krankenkasse extra zugesendet. Bei Reisen außerhalb der EU sollte eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden.

Außerdem ist es sinnvoll den Therapiepass mitzuführen, damit auch im Notfall für die behandelnden Ärzte am Urlaubsort Informationen vorhanden sind. Für Ihre benötigten Medikamente sollten Sie eine Zollerklärung mitführen. Diese ist meist bei den Medikamentenherstellern erhältlich und muss lediglich vom Neurologen unterschrieben werden. Werden Spritzen und Kanülen für eine Injektionstherapie benötigt, ist eine Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit in mehreren Sprachen hilfreich.

Falls Impfungen für das Reiseland empfohlen werden, sollten Sie diese möglichst frühzeitig mit ihrem Arzt besprechen. Unter immunsuppressiver Therapie (zum Beispiel Cortison oder Mitoxantron) ist der Impferfolg möglicherweise vermindert und muss unter Umständen von Ihrem Arzt kontrolliert werden.

Medikation berücksichtigen

Auch im Urlaub sollte die Medikation regelmäßig eingenommen und nicht einfach weggelassen, oder gar vergessen werden. Darüber hinaus muss auch die Lagerung der Medikamente bedacht werden. Im Falle von temperatursensiblen Therapien, beispielsweise verschiedener Biologika, muss für eine ausreichende Kühlung auch während der Reise Sorge getragen werden. Hierfür eignen sich zum Beispiel spezielle Kühlboxen. Werden die Medikamente injiziert, so müssen zusätzlich entsprechende hygienische Bedingungen, während der Reise ebenso wie am Urlaubsort, vorhanden sein. Wenn eine ärztliche Überwachung notwendig ist, sollten Sie im Vorfeld die Kontrolluntersuchungen einplanen und am Urlaubsort einen Arzt ausfindig machen, der diese durchführen kann.

Für den Notfall planen

Auch im Urlaub kann sich die Krankheit verschlechtern oder ein Schub auftreten. Für diese Fälle empfiehlt es sich schon vor Antritt der Reise einen Arzt im Urlaubsort ausfindig zu machen, der sich mit MS auskennt und die Behandlung übernehmen kann. Zusätzlich ist es natürlich sinnvoll, mit Ihrem behandelnden Neurologen über Ihre geplante Reise zu sprechen und gemeinsam einen Plan für eine mögliche Verschlechterung Ihrer Krankheit entwickeln, zum Beispiel in Form einer hoch dosierten oralen Methylprednisolon-Therapie.

Der Weg ist das Ziel

Auch Betroffene, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind oder unter Sehbeeinträchtigungen leiden, müssen nicht auf ihren Wunschurlaub verzichten. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten barrierefrei zu Reisen. Auch hier gilt, die Planung erleichtert vieles.

Bei Flugreisen kann der Rollstuhl als Reisegepäck aufgegeben werden. Die Fluggesellschaften stellen dann einen Ersatzrollstuhl zur Verfügung. Die deutsche Bahn bietet einen Mobilitätsservice an, der Betroffenen zum Beispiel beim Ein- Um- und Aussteigen hilft. Dieser Service kann online gebucht werden. Bei Fernreisen bieten sich auch Kreuzfahrtschiffe an. Immer mehr Reedereien haben barrierefreie Kreuzfahrten im Angebot und nehmen speziell auf Passagiere mit Behinderung Rücksicht. Auch Reisen mit dem Auto oder Wohnwagen sind möglich. Dabei sollte am Reiseziel auf Barrierefreiheit geachtet werden. Viele Campingplätze sind auf Gäste mit Behinderung eingerichtet. Sogar barrierefreie Ferienwohnungen werden angeboten. Dass auch Reisen im Wohnmobil mit MS möglich ist zeigten Gisela von Mossen und ihr an MS erkrankter Mann Gerd. Die beiden besuchten mit ihrem Wohnmobil zwischen 1983 und 2005 die schönsten Orte dieser Welt. Gisela von Mossen erzählte später die Geschichte in ihrem Buch „Mit dem Wohnmobil durch die Welt – trotz Rollstuhls im Gepäck“. Es ist eine inspirierende Geschichte, die zeigt, dass auch ein Leben mit Behinderung lebenswert ist.

Es gibt sogar Reiseveranstalter, die Reisen speziell für Menschen mit Behinderung anbieten. Hierzu gehören zum Beispiel RUNA Reisen oder Urlaub und Pflege. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK) hat den Katalog „BSK-Urlaubsziele“ herausgegeben, der eine große Anzahl an Reiseangeboten für Menschen mit Behinderung zusammenstellt. Weitere Informationen zum Thema barrierefreies Reisen finden sich auch auf den Seiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Fazit

Die Multiple Sklerose ist also kein Grund auf Reisen zu verzichten. Mit etwas Vorbereitung können Sie ihren Urlaub in vollen Zügen genießen.

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Beitragsbild © Free-Photos / Pixabay
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