Pflanzliche Antibiotika – Natürliche Helfer gegen Viren, Pilze und Bakterien

Pflanzliche Antibiotika - Blüten der Kapuzinerkresse in gelb und orange (Foto © Fotolia/funnyhill)

In den letzten Jahrzehnten wurden in deutschen Arztpraxen sehr viele Antibiotika verordnet. Doch gerade in Zeiten von MRSA-Keimen und multiresistenten Erregern stoßen die synthetischen Antibiotika oft an ihre Grenzen. Eine mögliche Alternative sind daher antibiotisch wirkende Pflanzenstoffe. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema pflanzliche Antibiotika.

Was sind pflanzliche Antibiotika?

Pflanzliche Antibiotika werden Pflanzen genannt, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe eine antibiotische Wirkung haben. Hierzu zählen neben herkömmlichen Gemüsesorten wie Zwiebeln oder Knoblauch auch zahlreiche Kräutersorten, die Senföle enthalten (Rucola, Kapuzinerkresse, Kohl etc.). Sie können ganz einfach in den täglichen Speiseplan integriert oder in Form von Essenzen, Tees, Cremes und Tinkturen angewandt werden.

Pflanzliche Antibiotika sind keine Erfindung der Neuzeit, sondern haben bereits eine Jahrtausende alte Tradition. Denn Heilpflanzen werden schon seit rund 70 000 Jahren verwendet. Um Christi Geburt beschrieb Dioskurides etwa 800 pflanzliche Arzneimittel zur Linderung diverser Krankheiten und Mönche und Nonnen bauten in ihren Klostergärten all die Heilpflanzen an, die für die Herstellung der pflanzlichen Medizin benötigt wurden. Als dann die synthetischen Antibiotika entdeckt und auf den Marktkamen, gerieten die potenten Heilpflanzen in Deutschland mehr und mehr in Vergessenheit.

Vorteile pflanzlicher Antibiotika

Pflanzliche Antibiotika sind für viele Menschen viel verträglicher als die synthetischen Produkte aus der Apotheke. Synthetische Antibiotika unterscheiden nicht zwischen positiven und negativen Bakterien. Es werden daher nicht nur Krankheitserreger abgetötet, sondern auch Bakterien, die der Mensch für seinen Stoffwechsel benötigt. So kann beispielsweise der Darm ganz schnell ins Ungleichgewicht geraten. Hinzu kommt, dass sich im Laufe der Zeit Multiresistenzen gegen synthetische Antibiotika entwickelt haben. Viele Erkrankungen können einfach nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden, weil die handelsüblichen Medikamente keine Wirkung mehr zeigen, ein Grund, warum beispielsweise die Tuberkulose wieder auf dem Vormarsch ist. Derartige „Supererreger“, also Keime, die nur schwer abgetötet werden können, findet man fatalerweise sogar in Krankenhäusern.

Die unkritische Verwendung synthetischer Antibiotika in den letzten Jahrzehnten rächt sich nun, da immer mehr Superkeime um die Welt reisen. Hinzu kommt, dass der menschliche Organismus durch eine Antibiotikatherapie zwar scheinbar schneller wieder gesund, aber dennoch geschwächt wird. Die pflanzlichen Therapiemöglichkeiten sind sanfter, benötigen aber teilweise etwas mehr Zeit, bis die beginnende Heilung erkennbar wird. Daher wird ihre Wirksamkeit von den meisten Menschen als nicht ausreichend eingestuft.

Synthetische Antibiotika werden zudem oft falsch eingenommen: Eine vom Arzt verordnete Antibiotikapackung muss bis zum Ende eingenommen werden, auch, wenn die bisherigen Krankheitsbeschwerden schon lange wieder abgeklungen sind. Werden die Tabletten, Kapseln oder Säfte nur kurzzeitig angewandt, kommt es zu einer Bildung von multiresistenten Keimen, weil immer noch verbleibende Erreger im Körper vorhanden sind, die bei einer frühzeitigen Medikamentenaufgabe wieder zu Kräften kommen und dann, mit dem verabreichten Antibiotikum nicht mehr abgetötet werden können. Bei der Verwendung von pflanzlichen Präparaten mit antibiotischer Wirkung, besteht dieses Risiko nicht.

Heilkräfte aus der Natur

Pflanzliche Antibiotika sind besonders wirkungsvoll, wenn sie gleich eingesetzt werden, sobald eine beginnende Erkrankung spürbar wird. Im Gegensatz zu synthetischen Antibiotika wirken pflanzliche Arzneimittel auf mehrfache Weise: Es werden nicht nur Bakterien, Viren und Pilze direkt im Körper angegriffen, geschwächt und vernichtet, sondern vielmehr werden auch der Organismus gestärkt und die Selbstheilungskräfte angeregt. Daher sollten Sie, sobald sie bemerken, dass Ihr Körper geschwächt ist oder sich eine Erkrankung anbahnt, schnell reagieren und zur Unterstützung des Heilungsprozesses besonders viel trinken (bewährt haben sich vor allem ungesüßte Kräutertees). So können die Viren, Bakterien und Pilze, die von den pflanzlichen Wirkstoffen geschwächt und abgetötet wurden, gleich wieder aus dem Organismus herausgespült werden. Stress schwächt das Immunsystem am meisten, achten Sie daher immer auf ausreichend viel Schlaf und möglichst wenig Stress, wenn Sie die Wirkung pflanzlicher Antibiotika effektiv unterstützen möchten.

Zwiebel und Rettich

Aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung haben sich die Zwiebel und der schwarze Rettich für allem bei Ohrenschmerzen und Erkältungskrankheiten bewährt. Die Beigabe von Zucker bewirkt, dass bei der frischen Zwiebel der Zwiebelsaft austritt, der besonders wirkungsvoll gegen Husten und Erkältungskrankheiten wirkt. Nach dem gleichen Prinzip kann ein schwarzer Rettich mit einem scharfen Löffel ausgehöhlt und mit Zucker befüllt werden. Der austretende Saft wird, wie der Zwiebelsaft auch, mehrmals täglich gelöffelt. Er lindert die Erkältungsbeschwerden und beschleunigt die Genesung. Gegen Ohrenschmerzen hilft ebenfalls die Zwiebel. Hierfür setzen Sie sich eine Mütze auf, schneiden eine Zwiebel in der Mitte durch und schieben die Zwiebelhälften, mit der Schnittseite zum Ohr, direkt über die Ohren unter die Mütze. Die Zwiebel wirkt entzündungshemmend, antiviral und antibakteriell zugleich. Sie stärkt das Immunsystem und unterstützt daher die Gesundung auf unterschiedlichen Ebenen.

Knoblauch bei Bluthochdruck und Entzündungen

Keine Pflanze eignet sich so hervorragend bei hohem Blutdruck und Entzündungen wie der Knoblauch. Ähnlich wie Acetylsalicylsäure, verbessert Knoblauch die Fließeigenschaft (ähnlich wie Acetylsalicylsäure) des Blutes. Er senkt zugleich den Cholesterinspiegel, lässt Entzündungen im Körper abklingen und stärkt das Immunsystem. Knoblauch kann als Tinktur verwendet werden, die ganz einfach selber aus zerkleinertem frischem Knoblauch und hochprozentigem Alkohol, selber angesetzt wird, aber auch frisch, als Würze der Nahrung. Eine zerkleinerte Knoblauchzehe ist noch wirksamer, wenn Sie nach dem Kleinschneiden mindestens eine Stunde ruhen kann. Die Wirkung des Knoblauch lässt sich noch steigern, wenn die Nahrung zusätzlich mit frischem Ingwer gewürzt wird oder aus frischen Ingwerscheiben ein schmackhafter Ingwertee zubereitet wird.

Schmerzen und Entzündungen im Mund- und Körperbereich

Wen Entzündungen, Schmerzen (wie z. B. Zahnschmerzen) und Magenverstimmungen plagen, der kann auf Nelken oder Kamille zurückgreifen. Die Kräuter können als Sud, Tee, als Creme oder Tinktur angewandt werden. Lediglich im Augenbereich können Kamillenprodukte nicht verwendet werden, da in jedem Präparat kleinste Pflanzenteilchen enthalten sind, die wie kleinste Dornen mit Widerhaken wirken, wenn sie ins Auge geraten. Nelken- und Kamillenprodukte sind sehr vielseitig anwendbar, von Zahnfleischentzündungen, über Erkältungen, bis hin zu Wunden, Verspannungen oder nervösem Stress. Sie gehören daher in jeden Arzneischrank, damit sie bei Bedarf immer sofort zum Einsatz kommen können. Bei Zahnschmerzen erzielen Sie eine spürbare Schmerzlinderung, indem Sie auf einem kleinen Stück frischem Ingwer oder auf einer Gewürznelke kauen. Salbei hilft zwar nicht gegen die Schmerzen, aber bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich (auch bei Erkältungen) und Magen-Darm-Beschwerden. Entweder Verwenden Sie die frischen Kräuter als Gewürze beim Kochen oder nehmen Sie als Tee oder Sud zu sich.

Harnwegsinfekte sind besonders unangenehm

Harnwegsinfekte wie eine Blasenentzündung sind besonders bei Frauen sehr verbreitet. Die antibiotische Wirkung von Senfölen kann Harnwegsinfektionen, aber auch Atemwegserkrankungen, vorbeugen: Meerrettich im Winter, Kapuzinerkresse und Rucola im Sommer. Zusätzlich können ätherische Öle (Rosmarin, Eukalyptus oder Teebaumöl) für Sitzbäder gegen Harnwegsinfekte genutzt werden. Ätherische Öle werden aus natürlichen Pflanzenteilen destilliert (manchmal auch durch Kaltpressung gewonnen).Teebaumöl und das reine ätherische Eukalyptusöl wirken beispielsweise gegen Pilzerkrankungen, nicht nur im Intimbereich, sondern auch gegen Fußpilz, daher eignen sie sich auch als Zusatz für ein heilendes Fußbad.

Heilpflanzen, wie Aloe Vera, Ringelblume, Zimt, Kurkuma, Papayakerne, Echinacea, Oregano-Öl und Süßholz, wirken ebenfalls antibiotisch und werden vielfach in der Volksmedizin verwendet.

Risiken und Nebenwirkungen pflanzlicher Antibiotika

Das größte Risiko bei der Verwendung pflanzlicher Antibiotika besteht darin, dass aus Unwissenheit versucht wird, auch schwerwiegende Krankheiten mit der Kraft der Natur zu kurieren. Darüber hinaus sind Nebenwirkungen sind bei Allergikern nicht ausgeschlossen. Wer z. B. gegen Kreuzblütler allergisch ist, sollte auf Echinacea-Präparate verzichten. Die Dosierung pflanzlicher Antibiotika ist nicht immer einfach, vor allem, wenn die frischen Pflanzenteile in der Natur selber gesammelt werden. Die fachkundige Beratung von einem Heilpraktiker, Arzt oder Homöopathen ist daher empfehlenswert.

Prinzipiell spricht nichts dagegen, pflanzliche Antibiotika auch zuhause in Eigentherapie anzuwenden. Verbessert sich der Gesundheitszustand auch nach einigen Tagen nicht oder kommt es gar zu einer Verschlechterung der Symptome, sollte von der Eigentherapie abgesehen werden. Vor allem dann, wenn Sie nicht das ausreichende botanische Wissen besitzen, selber antibiotische Pflanzen in der Natur sammeln zu können, sollten Sie auf Fertigpräparate (pflanzliche Antibiotika) aus der Apotheke zurückgreifen und sich genau an die Dosieranweisungen halten. Beobachten Sie Ihren Körper bei der Eigentherapie genau und kritisch, dann erkennen Sie schnell, ob sich Ihr Gesundheitszustand bessert oder eher verschlechtert.

Wann zum Arzt?

Vor allem dann, wenn Sie zur Behandlung anderer Grunderkrankungen bereits regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie vor einer Eigentherapie mit pflanzlichen Antibiotika den behandelnden Arzt aufsuchen. In einigen Fällen kann es zu Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten kommen, die nur Ihr Arzt beurteilen kann. Lassen Sie sich daher auf kein Risiko ein, sondern eher umfassend und fachkundig beraten. Teilen Sie Ihrem Arzt ruhig mit, dass Sie die Behandlung mit natürlichen Antibiotika bevorzugen, dann wird Ihr Arzt sicherlich Ihren Therapiewunsch berücksichtigen. Immer mehr Ärzte haben sich in den letzten Jahren auf pflanzliche Präparate oder sogar auf die TCM-Medizin, spezialisiert. Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen nur dann synthetische Antibiotika zu verschreiben, wenn es sich unbedingt nötig ist. Bei manchen Erkrankungen lassen sich die „chemischen Medikamente“ leider nicht vermeiden.