Ärztemangel einmal anders – In der Substitutionstherapie bleibt noch viel zu tun

Die Abhängigkeit von Opioiden wie z. B. Heroin zählt laut WHO zu den schwersten psychiatrischen Erkrankungen, da sie mit besonders schwerwiegenden Gesundheitsrisiken einhergeht. Eine geeignete Drogenersatz-Therapie (Substitutionstherapie) soll diesen Gefahren entgegenwirken.

Von den circa 200.000 heroinabhängigen Menschen erhalten nur knapp 78.500 eine Substitutionstherapie mit geeigneten und zugelassenen Mitteln. Sie werden von 2.590 Ärzten versorgt, die ihre Patienten an das Substitutionsregister melden (Stand 12. Januar 2017). Demgegenüber steht die Zahl der von den Ärztekammern gemeldeten suchttherapeutisch qualifizierten Ärzte. Mit ca. 8.400 (Stand 2012) liegt sie deutlich höher als die Zahl der tatsächlich substituierenden Ärzte. Die Dramatik dieser Zahlen wird vor dem Hintergrund des schwerwiegenden Krankheitsbildes der Opioidabhängigkeit besonders deutlich.

Tödliche „Nebenwirkungen“

Vor allem die tödliche Gefahr durch eine Überdosis ist von Bedeutung, da im sogenannten „Straßenheroin“ reines Heroin in extrem unterschiedlicher Menge enthalten sein kann. Zum anderen bestehen eine erhöhte Infektionsgefahr mit Hepatitis oder HIV durch gemeinsamen Gebrauch des Spritzbestecks sowie zahlreiche weitere Risiken, die mit Beschaffungskriminalität und Prostitution einhergehen.

Dennoch verzeichnet das Substitutionsregister des BfArM seit Jahren kontinuierlich sin­kende Zahlen bei den tatsächlich substituierenden Ärztinnen und Ärzten. Dazu kommt, dass jede/jeder Zweite von ihnen über 60 Jahre alt ist und in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen wird. Damit wird die Unterversorgung Heroinabhängiger in Deutschland weiter zunehmen.

Seit 2012 steigt die Zahl der Drogentoten kontinuierlich an. Gleichzeitig erhöht sich die Lebenserwartung von Opioidabhängigen durch Substitutionstherapie, verbesserte medizinische Versorgung und psychosoziale Betreuung stetig. Bei den Opioidabhängigen ab 45 Jahren steigt der Anteil der in den ambulanten Drogenhilfeeinrichtungen Betreuten kontinuierlich. Die Altersgruppe der über 45-Jährigen hat sich hier innerhalb von fünf Jahren (2004 bis 2009) verdoppelt.

Berlin und Hamburg besonders stark betroffen

Hauptursache für drogenbezogene Todesfälle bleibt jedoch eine Heroinüberdosie­rung, häufig in Verbindung mit anderen Substanzen. Die meisten dieser Todesfälle gab es 2015 in den bevölkerungsreichsten Ländern Bayern (25,7 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (14,9 Prozent). Bezogen auf die Einwohnerzahlen waren die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen am stärksten betroffen.

Das oberste Therapieziel nach der Richtlinie der Bundesärztekammer ist daher die Sicherung des Überlebens der Patienten. Weiterhin geht es um die Reduktion des Konsums anderer Substanzen, gesundheitliche Stabilisierung, um die Behandlung von Begleiterkrankungen und eine Teilhabe am Gesellschafts- und Arbeitsleben. Ohne eine ausreichende Anzahl substituierender Ärztinnen und Ärzte aber bleiben diese Ziele für viele Patienten unerreichbar.

(Quelle: Mundipharma-Pressekonferenz)